(lat.: mittlere Art (des Stils))

Stilebene: mittleres Stilniveau zur Erregung sanfter, 'ethischer' Affekte, vornehmlich zur Erfreuung des Publikums

Das genus medium (oder auch: genus mediocre) dient vor allem der Erfreuung des Publikums (delectare = erfreuen, ergötzen), zum Teil auch, um das Publikum dem Redner günstig zu stimmen (captatio benevolentiae). Dementsprechend verlangt es einen angenehmen, durchaus kunstvollen, aber nicht im Übermaß von der Umgangssprache abweichenden Ausdruck. Figuren und Tropen sind als erfreulicher Redeschmuck (ornatus) in Maßen erwünscht. Zu vermeiden ist allein ein Übermaß an rhetorischem Aufwand sowie alles Pathetische, auf das zugunsten sanfterer Affekte (griech. Terminus der Rhetorik: éthos = sanfter Erregungsgrad) verzichtet wird.

In klassischen Reden wird deshalb das genus medium immer dann verwendet, wenn der Redner sein Publikum vor allem unterhalten will (wie etwa in Festreden) oder wenn er sich – etwa zu Beginn einer Ansprache – selbst als sympathisch und glaubwürdig präsentieren möchte.