Festlegung (binärer) Wertigkeiten in Versen
akzentuierend: nach Hebungen und Senkungen
quantitierend: nach Längen und Kürzen

Das quantitierende Prinzip gilt in den 'klassischen Literatursprachen' Griechisch und Latein. Seine Verteilung der (metrischen) Wertigkeiten unterscheidet zwischen langen und kurzen Silben. Ob eine Silbe lang oder kurz ist, wird durch verschiedene Regeln festgelegt. Diese sind auf zwei Ebenen angesiedelt: auf der der Sprache selbst (mit ihrer natürlichen Verteilung von langen und kurzen Silben) und auf der der Dichtung, die (im Zusammenhang des Verses) bestimmte Modifikationen der gegebenen sprachlichen Verteilung zuläßt.

Das akzentuierende Prinzip gilt – zum Teil mit Einschränkungen – in den 'neueren' Literatursprachen, insbesondere in den germanischen Sprachen wie dem Deutschen und Englischen. Seine Verteilung der (metrischen) Wertigkeiten unterscheidet zwischen betonten und unbetonten Silben. Ob eine Silbe betont oder unbetont ist, wird durch die natürliche Betonung der Sprache vorgegeben, Abweichungen von derselben, sogenannte Tonbeugungen, werden nur sehr bedingt zugelassen.

Das quantitierende Prinzip der metrischen Wertigkeitsverteilung unterscheidet also zwischen den Längen und Kürzen eines Versfußes, das akzentuierende zwischen seinen Hebungen und Senkungen (der Betonung).

Beide Prinzipien sind weitgehend unabhängig voneinander. In der Frühen Neuzeit aber, als die 'modernen' Sprachen eigene (künstlerische oder) literarische Ambitionen entwickelten, sich dabei aber (Renaissance!) an dem Vorbild der 'alten', 'klassischen' Dichtung orientierten, kam es bei der Transformation von Versmaßen zu diversen 'Anpassungsproblemen'. Denn Versmaße, die ursprünglich auf das quantitierende Prinzip ausgerichtet waren, mußten in eine vom akzentuierenden Prinzip dominierte sprachliche Umgebung mit anderen Verstraditionen überführt werden.

Ein drittes, in bestimmten Dichtungen des Mittelalters und der frühen Neuzeit benutztes Prinzip ist das der bloßen Silbenzählung. Dieses verzichtet auf die Unterscheidung von Wertigkeiten und legt allein die Anzahl der Silben in einem Vers fest. Mit der Durchsetzung des akzentuierenden Prinzips in den 'neueren' Literatursprachen verliert es völlig an Bedeutung, wobei die romanischen Literatursprachen (Französisch, Italienisch usw.) Silbenzählung und Akzentuierung verknüpfen.