(griech.: katalégein = aufhören; a- = nicht)
Bestimmung der Vollständigkeit eines Verses in Bezug auf das zugrundeliegende
Versmaß:
katalektisch: der Vers bricht ab, der letzte Versfuß ist unvollständig
akatalektisch: der Vers (bzw. der letzte Versfuß) ist vollständig
Der akatalektische Vers erfüllt also sein (zugrundeliegendes oder unterstelltes) Versmaß vollständig, während der katalektische Vers die letzte (oder die letzten beiden) zu erwartende(n) Silbe(n) wegläßt.
Die Bestimmung von Versen als katalektisch oder akatalektisch setzt eine klar umrissene Bestimmung des zugrundeliegenden Versmaßes voraus, das vollständig oder eben unvollständig realisiert wird. Insofern ist sie vor allem zur näheren Charakterisierung antiker oder antikisierender Verse zu benutzen.
Bei vielen Versmaßen ist dabei die katalektische Variante durchaus üblich, wenn nicht sogar die Regel, so etwa im Fall des Hexameters.
Umgekehrt zur Katalexe, dem vorzeitigen Abbruch des Verses also, ist auch die Hyperkatalexe (hyper = über hinaus) möglich, eine Ausdehnung des Verses über das unterstellte Maß hinaus (meist um eine Silbe). Insbesondere bei Alexandrinern und Blankversen ist sie üblich.
Wegen der vielen Voraussetzungen, die für die Bestimmung der Katalexe/Akatalexe notwendig sind, hat sich zur Beschreibung der Verse in der neueren deutschen Dichtung eine andere Dichotomie durchgesetzt, die 'weibliche' und 'männliche' Kadenzen, also Versenden unterscheidet: Die 'weichen' oder 'klingenden' 'weiblichen' Verse enden auf eine unbetonte Silbe , die 'harten' 'männlichen' auf eine betonte.
Setzt man beispielsweise ein iambisches Versmaß voraus, das akatalektisch auf einer Betonung endet, ist ein Vers also 'weiblich', wenn er katalektisch die letzte Silbe wegläßt oder hyperkatalektisch eine unbetonte Silbe anfügt.