Der Hexameter ist der Vers des antiken Epos, der Vers Homers und Vergils:

Ándra moi énnepe, Mûsa, polýtropon, hòs mála pollà
plángchthe, epeì Troíes hierón ptolíethron éperse. (Homer, Od. I, 1 u. 2)
È È | — È È | — È ' È | — È È | — È È | — È
È È | — — | — ' È È | — È È | — È È | — È

Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes,
Welcher so weit geirrt nach der heiligen Troja Zerstörung (in der Übers. v. Voß)
È È | — È È | — È È | — x | — È È | — È
È È | — x | — È È | — È È | — È È | — È

Arma virumque cano, Troiae qui primus ab oris
Italiam fato profugus Laviniaque venit ... (Vergil, Än. I, 1 u. 2)
È È | — È È | — ' È È | — — | — È È | — È
È È | — — | — ' È È | — È È | — È È | — È

Doch auch in der Neuzeit ist er das Versmaß des Epos, die antiken Versmaßregeln werden dabei allerdings dem akzentuierenden System der jeweiligen Sprache mehr oder minder stark angepaßt. Im Deutschen heißt das vor allem: Ersatz der Daktylen durch Trochäen und freierer Umgang mit Zäsuren und Tonbeugungen:

Sing, unsterbliche Seele, der sündigen Menschen Erlösung,
Die der Messias auf Erden in seiner Menschheit vollendet,
Und durch die er Adams Geschlechte die Liebe der Gottheit
Mit dem Blute des heiligen Bundes von neuem geschenkt hat. (Klopstock, Messias I. 1-4)
— x | — È È | — È ' È | — È È | — È È | — È
È È | — È È | — È ' È | — x | — È È | — È
— — | — — | — È È | — È È | — È È | — È
— — | — È È | — È È | — È È | — È È | — È

Im 20. Jahrhundert ist der Hexameter selten geworden, hin und wieder versucht sich jedoch ein 'traditionsbewußter' Dichter an ihm:

Kriege zertrümmern die Welt und im Trümmerfeld geht ein Gespenst um
Lugend in ärmlicher Küche kopfschüttelnd in halbleere Speisen. (Brecht)