Das Distichon diente in der griechischen wie in der lateinischen Antike zur Realisierung von Epigrammen und Elegien:

Ô xeîn', ángeilon Lakedaimoníois hóti téde
keímetha, toîs keínon rhémasi peithómenoi. (Epigramm des Simonides von Keos)

Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest
Uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl. (in der Übers. v. Schiller)

Arma gravi numero violentaque bella parabam
Edere, materia conveniente modis.
Par erat inferior versus; risisse Cupido
Dicitur atque unum suripuisse pedem. [...] (Ovid)

In der deutschen Literatur war das Distichon vor allem in der auf die Antike bezugnehmenden Klassik populär, so sehr, daß es eselsbrückentauglich definiert (und gleich parodiert) wurde:

Im Hexameter steigt des Springquells silberne Säule,
Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab. (Schiller)

Im Hexameter zieht der ästhetische Dudelsack Wind ein;
Im Pentameter drauf läßt er ihn wieder heraus. (Claudius)