(Sappho: griech. Lyrikerin, ca. 600 v. Chr.)
Strophenmaß: vier Verse, von denen die ersten drei 'sapphische Verse' sind, und der abschließende Vers ein Adoneus
'sapphischer Vers' Versmaß: È x (') È È È x
Adoneus Versmaß: È È x
Die von Sappho und Horaz ausgebildete 'sapphische' Odenstrophe, die insbesondere durch den rhythmisch markanten Adoneus leicht zu erkennen ist, wird mit kleinen Umformungen und in verschiedenen hier nicht einzeln nachgewiesenen Varianten schon in der mittelalterlichen volkssprachlichen Literatur nachgebildet, vor allem jedoch in der deutschen Literatur des 17. (oft reimend), des 18. und des anbrechenden 19. Jahrhunderts.
Iam satis terris nivis atque dirae
grandinis misit pater et rubente
dextera sacras iaculatus artis
terruit urbem, [...] (Horaz)Deinem Los sei'n Klagen geweiht, Europa!
Aus dem Unheil schleudert in neues Schrecknis
Dich ein Gott stets; ewig umsonst erflehst du
Frieden und Freiheit! (Platen)
Die meisten (durch die Umstellung zur akzentuierenden Metrik entstandenen) Varianten der sapphischen Strophe im 17. und 18. Jahrhundert bestehen darin, den sapphischen Vers entweder iambisch alternierend oder mit erkennbaren Daktylen zu gestalten.
Blume, du stehst verpflanzet, wo du blühest, (Daktylus im 1. Fuß) Wert, in dieser Beschattung nicht zu wachsen (Daktylus im 2. Fuß) Wert, schnell wegzublühen, der Blumen Edens (Daktylus im 3. Fuß) Beßre Gespielin! (Klopstock)
Die einzelnen Oden-Strophen werden dann natürlich üblicherweise gleichförmig wiederholt.