Die Stanze mit dem (ital.) endecasillabo als Vers wird zwar auch in italienischer Lyrik und Dramatik gebraucht, sie ist aber vor allem das Strophenmaß der italienischen Renaissance-Epik:

Le donne, i cavallier, l'arme, gli amori,
le cortesie, l'audaci imprese io canto,
che furo al tempo che passaro i Mori
d'Africa il mare, e in Francia nocquer tanto,
seguendo l'ire e i giovenil furori
d'Agramante lor re, che si diè vanto
di vendicar la morte di Troiano
sopra re Carlo imperator romano. (Ariosto, Orlando furioso, I, 1-8)

In Deutschland hingegen wird die Stanze vornehmlich zur Gestaltung lyrischer Texte oder Einlagen verwendet – und zwar entweder nur mit weiblichen Versenden oder – seit der Goethezeit standardisiert – abwechselnd mit weiblichen und männlichen Versenden:

Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
Versuch' ich wohl, euch diesmal festzuhalten?
Fühl' ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten,
Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;
Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert
Vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert. (Goethe)