Strophenmaß der Volkslieddichtung: vier (i.a.) iambische, alternierend vierhebige 'männliche' und dreihebige 'weibliche' durch Kreuzreim verbundene Verse

Die Vagantenstrophe der Volkslieddichtung geht auf die in der lateinischen Literatur des Mittelalters gebräuchliche Vagantenstrophe zurück, die auf der sogenannten Vagantenzeile beruht. Diese metrisch komplexe Langzeile besteht aus zwei Teilen: einem ersten mit vier Hebungen auf sieben Silben, und einem zweiten mit drei Hebungen auf sechs Silben.

In der Vagantenstrophe der Volkslieddichtung sind diese Langzeilen gleichsam 'aufgebrochen', so daß sie nur 'halb' vorliegt (weil sie aus 'nur' zwei Vagantenzeilen besteht).

Dieses Strophenmaß wird vor allem in der traditionellen deutschsprachigen Volkslieddichtung, aber auch in deren kunstvoller Wiederaufnahme in der Goethezeit verwendet:

Es zog eine Hochzeit den Berg entlang,
Ich hörte die Vögel schlagen,
Da blitzten viel Reiter, das Waldhorn klang,
Das war ein lustiges Jagen! (Eichendorff)

Es lyt ain schlos in Hessenlant
es ist zu eren riche
Falkenstain ist es genant
wo ffint man sin gelichen! (Anon. des 16. Jhs.)