Reim der jeweils letzten Wörter (bzw. Wortsilben oder Wortgruppen) in benachbarten Versen
Der Ausgangsreim ist der Reimtyp schlechthin, zumal die Verknüpfung von Versen fast ausschließlich mit dem Endreim vollzogen wird.
Dabei haben sich verschiedene mehr oder minder komplexe Typen der Kombination und Organisation von (End-)Reimen ausgebildet, die in den verschiedenen Strophen- und Gedichtmaßen, aber auch in einzelnen Gedichten realisiert werden können.
Grundsätzlich sind natürlich sehr viele mögliche Kombinationen denkbar, die in der europäischen Literaturtradition am häufigsten verwendeten, sollen hier jedoch kurz näher vorgestellt werden (zur Notation: ein Buchstabe steht für ein endreimendes Wort bzw. Silbengruppe):
Der einfachste, wohl häufigste und Standard-Fall eines Reimes ist der simple Paarreim (a a), bei dem schlicht zwei aufeinanderfolgende Verse reimen; er kann natürlich leicht zu einem Drei- (a a a) oder Haufenreim (a a a a ...) erweitert werden. Der Paarreim findet sich in vielen Verstexten, Gedicht- und Strophenmaßen, so etwa auch zwingend am Ende einer Stanze oder eines englischen Sonetts.
Andere Reimtypen sind komplexer und beziehen zwei oder mehr verschiedene Reimsilben und vier oder mehr Verszeilen ein: Der wohl häufigste unter diesen komplexeren Typen ist der in vielen Strophen- und Gedichtmaßen vorgeschriebene Kreuzreim (a b a b), der mitunter fortgesetzt (a b a b a b ...) und recht häufig auf alternierende 'männliche' und 'weibliche' Kadenzen festgelegt wird; so etwa in der Hildebrandsstrophe.
Ebenfalls vier Verse und zwei unterschiedliche Reime benötigt der etwa in den Oktetten französischer Sonette verwendete umarmende oder Block-Reim (a b b a).
Auf sechs Versen und drei Reimen basieren noch komplexere Reimtypen wie etwa der Schweifreim (a a b c c b) oder der verschränkte Reim (a b c a b c):
Ich wandre durch die stille Nacht,
Da schleicht der Mond so heimlich sacht
Oft aus der dunklen Wolkenhülle,
Und hin und her im Tal
Erwacht die Nachtigall,
Dann wieder alles grau und stille. (Eichendorff)O komm, Geliebte, komm zu mir zurücke!
Kann ich nur deine hellen Augen schauen,
Fröhlich Gestirn in dem verworrnen Treiben:
Wölbt hoch sich wieder des Gesanges Brücke,
Und kühn darf ich der alten Lust vertrauen,
Denn ew'ger Frühling will bei Liebe bleiben. (Eichendorff)
Als Waisen bezeichnet man schließlich Verse innerhalb eines sonst reimenden Gedichts (bzw. einer sonst reimenden Strophe), die ohne Reimverknüpfung zu einem der übrigen Verse stehen.