(griech.: tópos = Ort)
Teil oder Ergänzung der inventio: regelgeleitete Befragung eines darzustellenden Themas oder Gegenstands
Die Metapher vom 'Ort' (griech.: tópos, lat.: locus) erklärt sich aus der Vorstellung des Themas oder Gegenstandes als Gebiet, das verschiedene 'loci' oder 'topoi' aufweist, die zur Sprache kommen können.
Diese Orte können annähernd systematisch durchgegangen oder abgefragt werden und ergeben zusammen ein schlüssiges Gesamtbild: Üblicherweise geschieht dies mit (im Deutschen) W-Fragen: Wo, wann, wie, womit geschah was mit wem durch wen usw.?
Die Topik stellt somit einen Katalog von Suchformeln dar.
Dieser reine Fragenkatalog ist freilich auch erheblich ausdifferenziert und auf bestimmte Gegenstands- oder Thementypen ausgerichtet worden: So unterscheidet man etwa zwischen den loci a persona (von der Person her) und den loci a re (von der Sache her), oder man benutzt mögliche Gegenteile, Steigerungen usw. zur Konturierung des eigenen Gegenstandes.
Als ein solches Fragesystem stellt die Topik gleichsam den regelgeleiteten und lernbaren ars-Teil der inventio dar, das aber natürlich auch zu anderen, etwa philosophischen oder wissenschaftlichen Zwecken verwendet worden ist.
Innerhalb der Literaturgeschichtsschreibung und -wissenschaft dominiert jedoch ein anderer Begriff von Topik, der sich aus dem ersten entwickelt hat. Er bezieht sich eher auf den locus communis (Gemeinplatz) und ist wohl am ehesten als historische Topik zu charakterisieren. Im Zusammenhang nicht zuletzt mit der imitatio veterum entwickelten sich innerhalb der auf vorliegende Vorbilder und Muster bezogenen Literatur aus den traditionellen topoi immer wieder loci communes (Gemeinplätze): in ähnlichen Zusammenhängen verwendete und somit weitgehend standardisierte Gedanken-, Inhalts- oder gar Formulierungskomplexe, die immer wieder neu verwendet, variiert, tradiert und modifiziert wurden.
Gerade in der Frühen Neuzeit gab es regelrechte Topoi-Sammlungen, die dem Autor nahebrachten, was zu einem bestimmten Thema oder Anlaß schicklicherweise gesagt und gedichtet werden kann. Andererseits stellt gerade das über die Jahrhunderte und Literatursprachen hinweg immer wieder neu aufgenommene, fortgesetzte und variierte intertextuelle 'Netzwerk' der historischen Topik einen besonders faszinierenden Aspekt der abendländischen Literaturgeschichte dar.