(lat.: nützen – erfreuen, unterhalten)

Eng mit der rhetorischen Wirkungs- und Funktionstrias von movere, docere und delectare verknüpft ist die Annahme einer doppelten Wirkungspotenz der Dichtung als prodesse und delectare, die spätestens seit Horaz' 'Poetik' der abendländischen Poetologie und Literatur fest eingeschrieben ist.

Die beiden Funktionen stehen sich dabei sowohl ergänzend (vor allem in Bezug auf das gesamte Feld der Poesie und Literatur) als auch gegenseitig ausschließend (in Bezug auf einige spezielle Gattungen) gegenüber.

Mit dem Nutzpotential (prodesse) der Dichtung sind dabei vor allem zwei Momente verbunden:

Beide Funktionsaspekte treten spätestens gegen Mitte des 18. Jahrhunderts deutlich zurück: Poesie und Literatur wollen nun nicht mehr als ancilla (lat.: Magd, Dienerin) anderer Instanzen (etwa Wissenschaft, Religion, Moral) dienen und beanspruchen zunehmend Autonomie.

Der andere Funktionsaspekt der Unterhaltung oder Ergötzung (delectare), der auch schon in der aristotelischen 'Poetik' anklingt, ist hingegen eher noch mit dem modernen Literaturverständnis zu vermitteln. Demnach dient Literatur, neben anderen möglichen Wirkungsabsichten, immer auch der Unterhaltung des Publikums, das über Komödien und Satiren lachen will, von Krimis angeregt unterhalten oder von Lyrik ergriffen werden möchte.