(griech.: eironeía = Verstellung)
Trope: Ersetzung des eigentlichen Ausdrucks durch dessen Gegenteil oder Negation
Die Ironie stellt, da sie das Gemeinte durch sein (i.a. polares) Gegenteil oder seine Negation ersetzt, eine radikale Abweichung vom Gemeinten und zu Erwartenden dar.
Aus diesem Grund muß sie unbedingt als solche erkennbar sein, der Hörer oder Leser einer ironischen Formulierung muß also erkennen können, daß nicht gemeint ist, was gesagt wurde, sondern etwas gänzlich anderes. Deshalb sind ironische Äußerungen üblicherweise mit Ironiesignalen verknüpft, die diese indizieren: Diese können im geäußerten Text selbst liegen (etwa als Stilbruch oder als inhaltlich gedanklicher Widerspruch), sie können aber auch außerhalb des eigentlichen Textes in dessen Performanz liegen (etwa im 'ironischen' Tonfall des Sprechenden) oder gar nur aus dem Äußerungszusammenhang zu erschließen sein (etwa wenn eine Aussage so gar nicht zu ihrem Sprecher oder zum Anlaß passen will).
Da die Ironie als radikale Ersetzung oft auf den weiteren Ko-Text des ironischen Ausdrucks im engeren Sinne 'ausstrahlt', können oft ganze Textpassagen als ironisch angesehen werden.
Man kann außerdem zwei Arten der Ironie unterscheiden: die eine täuscht als simulatio (lat.: Nachahmung) etwas vor, beispielsweise die vermeintliche Übernahme der gegnerischen Position, die andere verschleiert als dissimulatio (lat.: Unkenntlichmachen) etwas, zum Beispiel eine eigene Position. Die simulatio tut also, als ob ..., während die dissimulatio tut, als ob nicht ...
Ein weiteres Unterscheidungskriterium für die Ironie kann auch ihr jeweiliges Wirkungspotential darstellen. Das Spektrum reicht dabei vom selbstgefälligen oder unterhaltenden Spiel bis hin zu bösartigen, sarkastischen Invektiven. Aufgrund dieses Wirkungspotentials finden sich ironische Wendungen besonders häufig in komischen und satirischen Texten.
Neben dieser rhetorischen Bestimmung der Ironie als Trope des Gegenteils gibt es aus dem Bereich der Literaturgeschichte einige weitere, damit kaum mehr zu verknüpfende Ironie-Konzepte.
Das bekannteste unter diesen dürfte wohl die sogenannte 'romantische Ironie' darstellen, die eingebettet in den komplexen philosophisch-poetologischen Kontext der Frühromantik vor allem im Bewußtsein und Zu-Erkennen-Geben der künstlerischen Gemachtheit eines literarischen Textes besteht, wenn etwa die Figuren eines Dramas auf der Bühne über ihre Gemachtheit räsonieren.
Ganz anders geartet ist hingegen die sogenannte 'tragische Ironie', die aus der Diskrepanz zwischen dem (begrenzten) Wissen einer Dramenfigur und dem (umfassenderen) Wissen des Publikums entsteht, wenn die Figur für das Publikum, aber nicht für sich selbst erkennbar einen (entscheidenden oder eben 'tragischen') Fehler begeht.