Einige ironische Formulierungen sind längst katachretisch geworden und in die Umgangssprache eingegangen, man denke an die 'schöne Bescherung', die man gerne konstatiert, wenn sich kleinere, aber verschmerzbare Katastrophen ereignet haben.
Dies gilt auch für einige fast schon klassische ironische Formulierungen, wie etwa:
Du bist mir vielleicht ein schöner Freund.And Brutus is an honorable man; (Shakespeare, Juius Caesar)
In beiden Fällen liegt eine simulatio vor: Man sagt nicht, daß man den Gesprächspartner für einen schlechten Freund hält (bzw. Antonius sagt nicht, daß er Brutus für einen Schuft hält), sondern das (polare) Gegenteil davon, womit man sich scheinbar der allgemeinen oder der zu erwartenden Ansicht anschließt. Durch den Kontext der Äußerung (etwa wenn man von dem Freund 'versetzt' wurde) oder durch ihren Ko-Text (wie im Falle des Antonius, der das eigene Lob Caesars mit der negativen Beurteilung durch Brutus kontrastiert) wird allerdings leicht klar, was jeweils gemeint ist.
Durch den Tonfall oder ein Lächeln womöglich unterstützt, kann sich die erste Äußerung dem Freund gegenüber aber auch schon als Akt des Verzeihens darstellen, so daß die ironische Äußerung bereits den Humor, mit dem der Sprecher die Fehlleistung des Freundes zu tragen gewillt ist, schon indiziert. Antonius' vielfach wiederholtes Beharren auf der 'Ehrbarkeit' des Brutus, wo doch im Rest der Rede genau das Gegenteil offenbar wird, ist jedoch nur als Angriff auf die scheinbare Ehrbarkeit des Brutus anzusehen, die sich bei näherer Betrachtung in nichts auflöst.
Das Musterbeispiel für dissimulatorische Ironie ist die sogenannte 'sokratische Ironie' aus den Dialogen Platons. Dort gibt die Figur Sokrates immer wieder vor, nichts zu wissen (griech.: "oída oudén eidós" "ich weiß, daß ich nichts weiß"), nur um dann den Gesprächspartner (bzw. -gegner) durch geschicktes Nachfragen ebenfalls der Unwissenheit zu überführen und somit zumindest als Mehr-Wissender zu erscheinen.