So liest man etwa – der Einfachheit halber – "Goethe" (statt seiner Werke), man kauft einen "Opel" (statt ein Auto von der Firma Opel), man trinkt "ein Gläschen" (statt dessen Inhalt), man verlängert in der Bücherei "ein Buch" (statt dessen Leihfrist), man läßt eine ganze Stadt, etwa "Leverkusen", die Fußballmeisterschaft feiern (statt ihre Einwohner bzw. diejenigen unter ihnen, die dem TSV Bayer 04 anhängen), man trägt "Jeans" (statt einer Hose aus Jeans) usw.

Vor allem in der antiken Literatur üblich ist außerdem die Verwendung eines Götternamens statt seines Repräsentations- oder Funktionsbereichs: In den Epen Homers etwa wird die "rosenfingrige Eos" begrüßt, wenn die Sonne aufgeht. Man macht "Amor" und "Venus" für die Liebe verantwortlich und spricht von "Neptun" oder "Poseidon", wenn man das Meer meint.

Dies entspricht schon fast der Antonomasie vom zweiten Typ, nach der man – ebenfalls zumeist umgangssprachlich – nach dem "Tempo" verlangt, wenn man ein Papiertaschentuch möchte, wenn man mit "Ajax" sein Bad auf Hochglanz bringt, einen Verräter als "Judas" und einen "klugen Kopf" (Synekdoche) etwa als "kleinen Einstein" bezeichnet.

Der erste Antonomasietyp hingegen – der charakteristischerweise in Berichten von Provinzzeitungen zu finden ist – ersetzt stereotyp "Hagen" durch "Volmestadt" (Hagen liegt an der Volme), aber auch – so etwa in der "Ilias" – "Agamemnon" durch "Atride" (d.i. Sohn des Atreus) usw. In ähnlicher Weise kann man Shakespeare als den "Barden vom Avon" bezeichnen oder Jerusalem als "die heilige Stadt".

Doch zurück zur Metonymie: Einen Standard-Fall der Metonymie, die Ersetzung des poetischen Werkes durch den Dichternamen, nutzt Lessing zu einem witzig-sinnreichen Epigramm:

Wer wird nicht einen Klopstock loben?
Doch wird ihn jeder lesen? – Nein.
Wir wollen weniger erhoben,
Und fleißiger gelesen sein.