Viele synekdochetisch verwendete Ausdrücke oder Ausdruckstypen sind längst zum umgangssprachlichen Standard geworden.
Man spricht oder sprach häufig partikularisierend von "dem Russen", wenn man doch "die Russen" meinte. Man erklärt sich bereit, "sein letztes Hemd" zu geben, wenn man doch auch die letzte Hose, den letzten Pfennig, das letzte Stückchen Kuchen usw. wegzugeben bereit ist.
Generalisierend spricht man von "Deutschland", wenn man doch nur die "deutsche Fußball-Nationalmannschaft" meint, oder man siedelt den Delphin im "Wasser" an, wo er doch eigentlich nur im Meer vorkommt. Auch der früher in wissenschaftlichen Publikationen und andernorts übliche "pluralis maiestatis" (lat: "Plural der hervorgehobenen Stellung"), der "ich" durch "wir" ersetzt, ist als generalisierende Synekdoche aufzufassen.
Der Teil steht für das Ganze (pars pro toto), wenn man etwa seinem Sprößling die Folgen der Zugehörigkeit zum elterlichen Haushalt wie folgt erklärt:
Solange du unter meinem Dach lebst / deine Füße unter meinen Tisch stellst, ...
Doch auch umgekehrt kann das Ganze für den Teil stehen. So kann der Fernstudent sagen, er studiert "an der FernUni Literaturwissenschaft", wo er doch eigentlich am "Institut für neuere deutsche und europäische Literatur der FernUniversität" Literaturwissenschaft und ein weiteres Fach studiert.
Als weit ausgedehnte Synekdoche ist sicherlich die folgende Eingangspassage aus Jean Pauls "Selberlebensbeschreibung" anzusehen:
Es war im Jahr 1763, wo der Hubertsburger Friede zur Welt kam und gegenwärtiger Professor der Geschichte von sich; und zwar in dem Monate, wo mit ihm noch die gelbe und graue Bachstelze, das Rotkehlchen, der Kranich, der Rohrammer und mehre Schnepfen und Sumpfvögel anlangten, nämlich im März;
Denn was er mit dieser Aufzählung von zurückkehrenden Zugvögeln eigentlich ausdrücken will, erklärt er im Anschluß selbst, daß nämlich
ich und der Frühling zugleich angefangen.