Bimediale Gattung / Textsorte: zwei unterscheidbare Texte (inscriptio und subscriptio) und ein Bild (pictura), die sich durch gegenseitige Verweisungszusammenhänge zu einer Gesamtaussage ergänzen
Das Emblem besteht also aus drei klar voneinander unterscheidbaren Teilen, die ein (meist eine Textseite füllendes) Ganzes bilden:
1. Die inscriptio (lat.: Überschrift), auch lemma (griech.: Satz) oder Motto genannt, mit der das Emblem beginnt, ist oft ein (bekanntes) Zitat aus 'klassischen' Texten oder der Bibel oder sie ist ein bekannter Sinnspruch.
2. Die pictura (lat.: Bild), auch imago (lat.: Bild) genannt, ist eine Abbildung und folgt im allgemeinen dem Titel. Abgebildet werden häufig mythologische oder historische Szenarien.
3. Die subscriptio (lat.: Unterschrift), ein (im Vergleich zur knappen inscriptio) längerer, zumeist poetisch strukturierter Text schließt das Emblem ab.
Kommentare, Übersetzungen, Quellenangaben usw. können fakultativ hinzukommen.
Der Grund, diese Gattung oder Textsorte hier im Zusammenhang mit uneigentlichen Redeweisen zu behandeln, besteht in den Verhältnissen zwischen den drei Bestandteilen des Emblems. Denn diese sind mehr oder minder komplexe Beziehungen, die tropischem Reden ähneln, aber hier nicht einander ersetzen, sondern ergänzen, aufeinander verweisen. Daraus ergibt es sich, daß die einzelnen Teile des Emblems andere Teile deuten helfen oder von ihnen her gedeutet werden können. So kann etwa die inscriptio (zumindest im jeweiligen Äußerungszusammenhang) deutungsbedürftig sein und wird durch das Bild exemplifiziert oder allegorisch dargestellt, was wiederum in der subscriptio erläutert wird etwa durch Explikation des zugrundeliegenden Vergleichs. Die Unterschrift kann aber auch helfen, den rätselhaften Zusammenhang zwischen Motto und imago zu erhellen.
Meistens formuliert und illustriert das dreiteilige Emblem so eine moralische, politische und/oder religiöse Aussage.
Als Textsorte ist das Emblem hier beschrieben. Als historische Gattung war es nach Andreas Alciatus' epochemachenden Emblembuch von 1531 vom 16. bis ins 18. Jahrhundert hinein eine der wesentlichen poetisch-künstlerischen Ausdrucksformen, an der Dichter, Buchdrucker und bildende Künstler gemeinsam arbeiteten.