(griech.: sımbolon = Erkennungszeichen, Marke)
(1) nicht-konventionelles Zeichen oder
(2) Gegenstand, der über sich selbst hinaus auf anderes verweist und somit als Zeichen anzusehen ist
Es gibt im Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften sehr viele Symbolbegriffe. Selbst innerhalb der Literaturwissenschaft(en) liegt keine einheitliche und allgemein anerkannte Definition vor. Klar ist aber, daß sich der literaturwissenschaftliche Symbolbegriff von dem der Linguistik und Sprachphilosophie vor allem dadurch unterscheidet, daß er gerade nicht von dessen konventionellem Bedeutungsgehalt ausgeht.
Das Symbol der Literaturwissenschaft (und wohl auch anderer Kunstwissenschaften) ist also ein nicht-konventionelles Zeichen, das der Deutung bedarf, da die Bedeutung dieses Symbolzeichens noch nicht etwa durch feststehende Regeln der Sprache fixiert worden ist.
Das Symbol verweist also über sich selbst hinaus auf anderes, und zwar im allgemeinen so, daß dieses Andere nicht genau fixierbar ist.
Umstritten ist jedoch, ob man Zeichen (z.B. Schriftzeichenkomplexe) oder Repräsentationen (z.B. Abbildungen) oder das je Repräsentierte als Symbole ansehen soll, zumal jedenfalls in den Kunstwissenschaften beides kaum zu unterscheiden ist. Hier werden deshalb beide Definitionsvorschläge gemacht: Der (potentiell) weitere faßt Symbole als über sich selbst auf anderes verweisende Realien auf, der (möglicherweise) engere betrachtet sie einfach als nicht-konventionelle Zeichen.
Zu den Möglichkeiten, Symbole zu erzeugen, zu etablieren und zu deuten, können ganz unterschiedliche Momente gehören
Einmal etwa durch einen bestimmten Text etablierte Symbole können aber natürlich als Symbole wiederum konventionalisiert werden.
Unter dieser Betrachtungsweise haben Symbole also eine große Affinität etwa zu der pictura eines Emblems oder zu Allegorien. Gerade letztere wurden aber von einer für die deutsche Literaturwissenschaft nicht ganz unbedeutenden Instanz, Goethe nämlich, strikt voneinander abgesetzt, so daß man in der Germanistik lange mit Goethe die konventionelle, auf Begriffsdarstellung abzielende und deutungsfixierte Allegorie vom nicht-konventionellen, auf Ideendarstellung abzielenden und deutungsoffenen Symbol abtrennte.