(strukturelle) Dichotomie, die einen natürlichen, normalen oder gewöhnlichen Zustand und die Abweichung genau davon unterscheidet
Diese Dichotomie, die natürlich auch außerhalb der Literaturwissenschaft zum Einsatz kommen kann, wurde und wird immer wieder auf den verschiedensten Ebenen und unter den unterschiedlichsten Aspekten an die Literatur herangetragen. Am Anfang dieser Reihe dürfte wohl die rhetorische Unterscheidung von ars und natura stehen.
Die Norm stellt in solchen Konzeptionen immer eine Art Basis dar, die entweder fix ist oder als fix angenommen wird. Üblicherweise ist sie konzipiert als natürlicher Zustand, als (institutionalisiertes) Regelsystem, als Gruppe von Konventionen und Übereinkünften und dergleichen.
Die Abweichung ist hingegen immer auf diese Basis bezogen, indem sie sich in bestimmten Punkten von dieser unterscheidet. Sie ist somit das Spezifische und Auffällige.
Der Standardfall einer Abweichung ist wohl der Fehler (der oft die vorausgesetzte Norm erst sichtbar macht).
In der Literaturwissenschaft wird als Norm zumeist die gewöhnliche Sprache, ihre Verwendung oder ihr Gesamtsystem zugrundegelegt. Somit kann Literatur insgesamt z.B. als Abweichung von der Normalsprache aufgefaßt werden.
Vor allem aber kann die Literaturwissenschaft Abweichungen auf den verschiedenen Ebenen der Sprache bzw. der Sprachwissenschaft unterscheiden und so für die Beschreibung und Analyse von Literatur nutzbar machen. Solche Abweichungen sind dann natürlich nicht als Fehler anzusehen, sondern als (bewußte) poetische Abweichungen von sprachlichen Normen.
Solche Ebenen sind:
Ein verwandtes Konzept zu dem von Norm und Abweichung ist das der Verfremdung.