Kontext: Menge aller Parameter, die für das Verständnis einer Äußerung (bzw. eines literarischen Werks) von Bedeutung sein können

Ko-Text: (direkte) textuelle Umgebung eines sprachlichen Ausdrucks oder Textes

Die beiden Termini 'Kontext' und 'Ko-Text' (oder auch 'Kotext') werden hier nicht nur einander gegenübergestellt, weil sie leicht zu verwechseln sind, sondern auch, weil sie in enger Verbindung miteinander stehen: Denn natürlich ist der Ko-Text eines Textes – nach der obigen Definition – Teil seines Kontextes.

Es ist dennoch zumeist sinnvoll, gerade in literaturwissenschaftlichen Zusammenhängen, den Ko-Text vom Kontext zu unterscheiden. Im Normalfall ist dies leicht möglich – und üblicherweise betrachtet man auch eher den Kontext von ganzen Texten (oder Werken), aber den Ko-Text von Textteilen (oder Werkabschnitten).

Zum Verständnis eines (literarischen) Textes oder Textteils hat man – nicht nur den Regeln der Hermeneutik zufolge – selbstverständlich auch die (direkte) textuelle Umgebung, also den Ko-Text des zu verstehenden Ausschnitts miteinzubeziehen: den/die Vorgänger und Nachfolger eines einzelnen Satzes, den/die Vorgänger und Nachfolger eines einzelnen Kapitels, Aktes, einer Strophe, die anderen Romane eines Autors, dessen Roman zu untersuchen ist, usw.

Briefe des Autors, seine Tagebucheintragungen, sein Parteibuch oder seine Konfession gehören jedoch schon zum Kontext (im engeren Sinne) eines Textes (des betreffenden Autors), wobei ein scharfe Grenzziehung auf dieser Ebene weder möglich noch erkenntnisfördernd sein dürfte.

Andere Aspekte des Kontextes (der nicht immer ein 'echter' Text sein muß) sind etwa: die Gattungszugehörigkeit eines Textes, seine Zuordnung zu einer bestimmten Epoche oder Strömung mit bestimmten Konventionen, Regeln, ästhetischen Vorlieben, Absichten, epistemologischen Grundlagen usw., die Erwartungshaltung des Lesepublikums, die Reaktionen desselben u.v.m.

Der Kontext umfaßt also alles – und hier im Kern stimmt der Kontext-Begriff der Literaturwissenschaft mit dem der Linguistik überein –, was für den Äußerungszusammenhang auf der einen und somit für den Verstehenszusammenhang auf der anderen Seite von Belang sein kann. Demzufolge könnte er in drei große Teile untergliedert werden: das den Autor Betreffende, das den Text selbst Betreffende (wohl der Ko-Text) und das den Adressaten, das Publikum Betreffende.

Von zentraler Bedeutung sind dabei die beiden folgenden Tatsachen:

1. Jeder Text hat einen Kontext. (Das heißt aber nicht, daß der Wissenschaftler immer in der Lage ist, diesen zu rekonstruieren.)

2. Der Kontext eines Textes ist wie dieser historisch und kulturrelativ. (Das heißt, daß es – gerade bei nicht zeitgenössischen Texten aus der eigenen Kultur und Sprache – im allgemeinen eines gewissen, wohl wissenschaftlichen Aufwandes bedarf, diesen Kontext zu rekonstruieren.)