ästhetische Konzeption, nach der die Kunst bzw. jedes Kunstwerk eigengesetzlich ist oder sein soll

Die Autonomieästhetik bzw. ihre Grundlage, die Idee einer autonomen, also nach eigenen Gesetzen geregelten Kunst, ist – von Vorläufern abgesehen – eine Erfindung des (deutschen) Idealismus (in der Philosophie). Dementsprechend ist der Zeitraum ihrer Dominanz in den Künsten (also auch in der Literatur) historisch begrenzt. Im Falle der deutschen Literatur ist es vor allem die Goethezeit, die von der Automieästhetik dominiert wird, doch natürlich kommen ähnliche Ideen auch in der Folgezeit immer wieder auf, auch in der Literaturgeschichtsschreibung.

Die Autonomieästhetik postuliert für die Kunst insgesamt bzw. für jedes 'echte' Kunstwerk Autonomie, das heißt Eigengesetzlichkeit. Dies bedeutet zweierlei:

1. Jedes Kunstwerk (bzw. die Kunst überhaupt) hat eigene Gesetzmäßigkeiten, denen es folgt. Diese sind – im Prinzip jedenfalls – philosophisch begründbar und vor allem am Konzept der Schönheit orientiert. Für das Werk impliziert dies vor allem die Idee vom organischen Kunstwerk. In Bezug auf den Schöpfer von Kunst bzw. den Dichter ist hingegen die Idee des Genies eng mit diesem Aspekt der Eigengesetzlichkeit verbunden, denn das Genie soll es sein, welches die (je neuen) Gesetze aus sich heraus generiert und dann praktisch in Kunst umsetzt (Genieästhetik).

2. Jedes Kunstwerk (bzw. die Kunst überhaupt) ist unabhängig von anderen, außerhalb seiner/ihrer selbst liegenden 'Realitäten' und Inanspruchnahmen. Dies betrifft so unterschiedliche Momente wie (soziale) Realität, Wissenschaft, Ideologie, Politik usw. Keiner dieser Instanzen hat sich das Kunstwerk zu beugen, von keiner dieser Instanzen darf es sich in Anspruch nehmen lassen.

Dadurch wird für das 'echte' Kunstwerk eine überzeitliche, ahistorische Gültigkeit möglich bzw. postuliert.

Die Autonomieästhetik setzt sich – gegen Ende des 18. Jahrhunderts – vor allem von ihrer Vorgängerin, der Rhetorik ab, die für Texte aller Art reale Funktions- und Wirkungszusammenhänge nicht nur zuließ, sondern geradezu vorschrieb. Sie kannte eher allgemein verbindliche Funktions- und Effektivitätsregeln als spezifische Strukturen für jedes eigene Kunstwerk, der die Idee eines überzeitlichen Kunstwerks fremd war und die somit unter den Bedingungen der Autonomieästhetik schnell als veraltet galt.

Doch schon im Verlauf des 19. Jahrhunderts setzen sich in der Literatur wie in den anderen Künsten auch wieder ästhetische Konzepte durch, die etwa eine politische Funktionalisierung von Kunst ausdrücklich zulassen. Dies setzt sich bis heute im Grunde fort.