Aufnahme eines Kunstwerks bzw. literarischen Werks durch den bzw. die Rezipienten
Die Rezeption eines Textes, literarischen Textes oder allgemein: eines Kunstwerks stellt also aus kommunikationstheoretischer Sicht denjenigen Teil des Kommunikationsprozesses dar, der den Adressaten betrifft.
Im Fall von Literatur handelt es sich bei den Rezipienten im allgemeinen um Hörer oder Leser eines Textes, aber natürlich ist auch ein Zuschauer eines Theaterstücks dessen Rezipient.
Der Rezeptionsbegriff ist äußerst vielschichtig und wird von Literaturwissenschaft und Literaturgeschichtsschreibung dementsprechend unterschiedlich benutzt. So verwenden etwa empirisch arbeitende und sozialhistorisch ausgerichtete Literaturwissenschaftler einen Typ von Rezeptionsbegrifflichkeit, während die sogenannte 'Rezeptionsästhetik' auf ganz anderen Konzeptionen basiert.
Die Vielschichtigkeit des Begriffs kommt unter anderem dadurch zustande, daß die individuelle Rezeption eines Textes (etwa als Lektüreakt) kaum zu greifen ist. Der Rezeptionsforscher ist also auf die Folgen, Auswirkungen (oder Bedingungen) von solchen individuellen Rezeptionsakten angewiesen, etwa auf die Anzahl verkaufter Bücher, auf Tagebucheintragungen, Publikumsskandale, Rezensionen, literarische Texte usw., die er als Indizien deuten kann.
Dementsprechend kann der Leseprozeß Gegenstand psychologischen Zugriffs sein, aber auch als zu konstruierender idealer Lektüreprozeß, in dem sich der Text 'konkretisiert' den literarischen Text als ästhetisch-kommunikative Disposition selbst betreffen (so in einer Variante der Rezeptionsästhetik).
Die Gesamtheit der Rezeption eines Textes (oder einer Textgruppe) kann empirisch untersucht werden. Synchron liefert eine solche Untersuchung soziologische Daten, diachron hingegen (kultur- oder literatur-)historische (so in den unterschiedlichen Varianten empirischer Rezeptionsforschung).
Als Verstehensprozeß unterliegt jede Rezeption den Problemen der Hermeneutik, und so ist jede Rezeption eingebettet in einen spezifischen (historischen) Erwartungshorizont. Somit ist auch die Rezeptionsgeschichte eines Textes (oder einer Textgruppe) eng verknüpft mit Methodik und Problematik der Hermeneutik (und deshalb identifiziert eine andere Variante der Rezeptionsästhetik die Bedeutung eines Werks mit dieser Rezeptionsgeschichte).
Von besonderer Bedeutung für den Literaturwissenschaftler ist die Rezeption als produktive Textrezeption. Derlei liegt dann vor, wenn die Rezeptionsfolge selbst ein literarischer Text (oder ein anderes Kunstwerk) ist, wenn also die Rezeption eines Textes A nachweislich auf die Produktion eines Textes B wirkte. So kann der B-Autor von A 'beeinflußt' worden sein, A und B können intertextuell aufeinander bezogen sein (etwa weil B A parodiert), oder sie können in einer Gattungstradition stehen.