fundamentalpoetische und anthropologisch fundierte Einteilung der Dichtung nach drei Grundbegriffen (bzw. in drei Naturformen): Epik, Lyrik und Dramatik
Die Möglichkeit der Einteilung nach 'Naturformen' hat sich vor allem im Bereich der deutschen Literatur entwickelt und als Einteilungsschema durchgesetzt. Seine Durchsetzung ist insbesondere mit dem Namen Goethes verknüpft. Anderen und älteren deutschen Traditionen ist diese Einteilungsstrategie hingegen eher fremd.
Die deutsche Literaturwissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts entwickelte aus Goethes 'Naturformen' die 'Grundbegriffe' bzw. ihre Trias von Epik Lyrik Dramatik mit einigen hier nicht zu thematisierenden Modifikationen. Naturformen und Grundbegriffe werden als 'fundamentalpoetisch' betrachtet, da sie grundsätzlich unterscheidbare menschliche Äußerungsformen unterscheiden, nämlich
Diese Naturformen oder Grundbegriffe des Lyrischen, Epischen und Dramatischen sind nicht als Klassifikationsbegriffe aufzufassen und lassen demzufolge 'Mischungen' ausdrücklich zu: etwa die Ballade als Mischung aller drei Formen, die Novelle als dramatische Erzählung oder das lyrische Drama usw.
Die daraus resultierende Trias von Epik, Lyrik und Dramatik wurde und wird jedoch gerne auch als Klassifikationsschema verstanden und verwendet (etwa in Bibliotheken, Buchläden, Gesamtausgaben oder in diesem Basislexikon): als sogenannte Gattungstrias. Diese Verwendungsweise steht jedoch in Widerspruch zu sonst üblichen Gattungskonzepten. Dies betrifft insbesondere die historische Konzipierung von Gattungen, die der ahistorischen Ausrichtung der Naturformen entgegensteht, aber nicht wie die der Schreibweisen mit ihr vermittelt ist.
Nicht zuletzt durch die Etablierung der Trias wurde (und wird) Literatur, die nicht in diese Trias passen will und früher oft zur didaktischen Poesie zusammengefaßt wurde, marginalisiert. Diese Marginalisierung betrifft im Grunde alle diejenigen literarischen Texte und Textstrategien, die sich nicht auf das plastische Erzählen von Handlungen und Sachverhalten (etwa in Epos und Roman), die emotionale Selbstaussprache eines Subjekts (etwa in bestimmten Typen von Lyrik des 18. und 19. Jahrhunderts) oder das direkte Präsentieren spannungsgeladener und zur Identifikation einladender Handlungen (etwa im 'aristotelischen' oder 'klassischen') Drama beschränken lassen.