(funktionale) Klasse von Texten

Der Begriff der Textsorte ist in der Linguistik bzw. in linguistisch orientierter Literaturwissenschaft entwickelt und etabliert worden.

Dementsprechend kann sich 'Textsorte' – im Unterschied zu 'Gattung' – grundsätzlich auf alle Arten von Texten beziehen, auch solche also, die keinerlei künstlerische Absicht verfolgen. Der Begriff der Textsorte ist zudem nicht historisch ausgerichtet.

Im Unterschied zur Konzeption von Schreibweise ist der Textsortenbegriff aber nicht auf grundlegende Strukturen bezogen, sondern eher auf erkenn- und dokumentierbare Textmerkmale. Wie 'Schreibweise' zielt aber auch 'Textsorte' durchaus auf die Funktionalität von Texten ab und begreift sie als (funktional) eingebunden in eine soziale Realität.

Die zur Klassifikation einer Textsorte heranzuziehenden Merkmale oder Merkmalskomplexe sind somit prinzipiell beliebig, oft aber stammen sie aus dem Bereich ihrer Funktionalität oder ihrer Oberflächenbeschreibung.

So weist etwa die Textsorte Kochrezept bestimmte charakteristische Merkmale an der Textoberfläche auf (Dominanz von Nomina für Lebensmittel, Auflistung, knappe eindeutige Handlungsanweisungen usw.), die auf die pragmatische Rolle dieser Textsorte zugeschnitten sind.

Ähnliches gilt für weniger deutlich funktionale Textsorten, etwa im Übergangsbereich von Alltag und Kunst (z.B. bei den verschiedenen journalistischen Textsorten wie Reportage, Nachricht, Glosse, Kommentar usw.), aber auch im engeren Bereich der Literatur, wo selbstverständlich auch Textsorten (per Merkmalsübereinstimmung) konstruiert werden können. Diese sind aber tendenziell im Nachteil gegenüber Gattungsbegriffen, da sie – ex post und damit quasi zufällig – konstruiert sind und nicht auf die historische Verortung von Gattungen (etwa im Selbstverständnis der Autoren) eingehen können.