Ein klarer Fall für die geistliche Kontrafaktur eines bekannten weltlichen Volksliedes ist Heinrich Knausts "Insbruck ich muß dich laßen, christlich geändert" von 1571:

O welt, ich muß dich laßen
und far dahin mein straßen
ins vaterland hinein.
irdisch freud ist mir gnommen,
die ich nicht mer bger zu bekommen,
weil ich in elend bin.

Groß leid muß ich jetzt tragen,
das ich allein tu klagen
dem liebsten herren mein:
ach Got, nu laß mich armen
im herzen dein erbarmen,
weil ich so arm muß sein!

Mein trost in allen leiden,
von dir sol mich nicht scheiden
kein not in diser welt,
kein armut sein so schwere,
mein sin und all mein bgere
zu dir allein gestellt.

Die damals populäre Vorlage dieser Kontrafaktur, der natürlich dieselbe Melodie unterlegt ist, lautet so:

Isbruck ich muß dich lassen

Isbruck ich muß dich lassen
ich far dohin mein strassen
in fremde landt do hin
mein freud ist mir genomen
die ich nit weiß bekummen
wo ich im elend bin.

Groß leid muß ich yetz tragen
das ich allein thu klagen
dem liebsten bulen mein,
ach lieb nun laß mich armen
im hertzen dein erbarmen
das ich muß von dannen sein!

Meyn trost ob allen weyben
dein thu ich ewig pleyben
stet trew der eren frumm
nun muß dich Gott bewaren
in aller thugent sparen
biß das ich wider kumm!