(griech.: par-odé = Nach- oder Gegengesang)
intertextuelle Schreibweise (bzw. Verfahren): Übernahme erkennbarer Struktur- und Gestaltungsmerkmale einer Vorlage zur Komisierung und Herabsetzung dieser Vorlage (bzw. einer mit ihr verknüpften Haltung, ihrer Rezeption usw.)
Der ursprünglich aus dem Bereich der (antiken) Musik stammende Begriff der Parodie hat entsprechend der Doppeldeutigkeit der griechischen Präposition 'para' als 'nach' und 'gegen' im Grunde zwei voneinander unabhängige Bedeutungen, die de facto oft aber nur schwer voneinander zu trennen sind:
Der eine Begriff, Nach-Gesang oder Nach-Dichtung, meint in erster Linie die Adaption eines Werk-, Autor-, Gruppen- oder Epochenstils zum Zweck der Demonstration eigener Fähigkeiten, zur Übung, aber auch zur Offenlegung der stilbildenden Prinzipien. Derlei ist auch als Pastiche zu bezeichnen.
Der andere Begriff, Gegen-Gesang oder -Dichtung, ist derjenige, der sich nicht nur in der Literaturwissenschaft schließlich durchgesetzt hat. Er geht von der Offenlegung des Stils aus, zielt letztendlich aber darauf ab, die Vorlage lächerlich zu machen und sie (oder ihr Ansehen) so zu beschädigen. Dementsprechend kann auch die Rezeption eines Textes, die Haltung, die er initiiert hat, die Ideologie, zu der er ausgebaut worden ist, und dergleichen mehr Ziel der parodistischen Komisierung sein. Im Unterschied zur Kontrafaktur, die ja eigene, vorlagenunabhängige Inhalte vermitteln will, ist die Parodie also in der Hauptsache gegen ihre Vorlage gerichtet.
Auch hier könnte aber noch zwischen einer bloß komischen und einer kritisch-komischen Parodie unterschieden werden.
Die eigentliche Text- oder Vorlagenverarbeitung ist allerdings der der Kontrafaktur ähnlich: Die erkennbaren und leicht wiedererkennbaren Strukturierungen und Formungen eines bestimmten Textes (oder einer bestimmten, fest umrissenen Textklasse) werden grundsätzlich beibehalten. Entsprechendes kann natürlich auch für das Verfahren der Parodie in anderen Künsten und Medien gelten.
Es lassen sich allerdings zwei unterschiedliche Typen der parodistischen Textverarbeitung ausmachen:
Der erste, untererfüllende Typ behält insbesondere alle Strukturierungen und Formungen der Vorlage (Wortmaterial, Wortklang, Vers-, Reim- und Strophenstrukturen) bei. Er ersetzt aber, oft nur an wenigen, aber entscheidenden Stellen die zugehörigen Inhalte so, daß die neuen Inhalte der Parodie wesentlich 'niedriger' ausfallen als die der Vorlage, so daß es zu einer 'Familiarisierung' oder Profanierung der Vorlageninhalte kommt. So können etwa philosophische Gedanken durch Schülerwitze oder ernsthafte Liebesschwüre durch rein sexuelle Anspielungen ersetzt werden.
Der zweite, übererfüllende Typ überzeichnet im Unterschied dazu die charakteristischen Struktur- und vor allem Stileigenheiten so deutlich, daß diese Eigenheiten nicht nur erkennbar, sondern zugleich auch lächerlich gemacht werden.