(ital./frz.: travestir(e) = verkleiden)
intertextuelle Schreibweise: Übernahme erkennbarer Inhalte einer Vorlage, aber Veränderung der Formung dieser Inhalte zur Herabsetzung und Komisierung der Vorlage
Mit der Schreibweise der Travestie sind also ähnliche Absichten und Wirkungen zu realisieren wie mit der Parodie.
Das Vorgehen ist aber ein anderes: Während nämlich die Parodie die Inhalte der Vorlage durch Ersetzungsoperationen verändert, Form, Struktur und Stil der Vorlage aber übernimmt oder gar vorführt, geht die Travestie gerade umgekehrt mit ihrer Vorlage um: Die wesentlichen Inhalte werden mindestens so weit beibehalten, daß sie wiedererkennbar sind, und zwar als Inhalte eines bestimmten Textes bzw. einer eng umgrenzten Klasse von Texten. Form, Stil, Aufbau, Struktur, Gattungszugehörigkeit usw. werden hingegen verändert, und zwar so, daß der Inhalt nunmehr üblicher Auffassung nach mit seiner Präsentationsweise konfligiert, diese also als nicht adäquat erscheint und gegenüber der Präsentationsweise des Originals abfällt.
So bezieht sich die Travestie ebenso wie die Parodie bloß komisch oder kritisch-komisch auf ihre Vorlage oder die mit dieser verknüpften Haltung, Weltanschauung usw.
Bei den Inhalten, die im Falle einer travestierenden Textverarbeitung beibehalten werden, handelt es sich zumeist um Elemente oder Strukturen der Handlung (samt Figuren) der (erzählenden oder dramatischen) Vorlage.
Die 'abfallende' Form geht häufig mit einem Form- oder Gattungswechsel einher, wobei die neue Form der Travestie zumeist in geringerem Ansehen steht als die der Vorlage: So kann etwa das Epos in einen Roman oder gar in eine volkstümliche Moritat überführt werden, die feierliche Ode in ein einfaches Lied usw. Doch schon allein der etwa betont einfache, volkstümliche oder laxe Stil oder Sprechton einer solchen Textverarbeitung kann sich ähnlich auswirken.