Geradezu prototypische Travestien brachte eine Mode des 18. Jahrhunderts hervor, die der "Aeneis"-Travestien nämlich, die das antike Heldenepos Vergils um den legendären Begründer Roms in eine sehr viel weniger anspruchsvolle Form mit einer entsprechend unpathetischen Sprache überführen. So präsentiert etwa Aloys Blumauer in seiner Aeneis-Travestie von 1788 das Geschehen um Aeneas in der Form des Bänkelsangs und nimmt ihr somit das leer gewordene Pathos. Man vergleiche, wie Blumauer und Vergil ihren Helden im Gespräch mit Dido, einer mythischen Fürstin, auftreten und sprechen lassen:
Im rothdamastnen Armstuhl sprach
Aeneas nun mit Gähnen:
Infantinn! laßt das Ding mir nach,
Es kostet mich nur Thränen.
Doch alles spitzte schon das Ohr:
Frau Dido warf die Nas' empor,
Und schien fast ungehalten.Was wollt' er thun? Er mußte wohl
Den Schlaf vom Aug sich reiben:
Er nahm zwo Prisen Spaniol,
Sich's Nicken zu vertreiben:
Drauf räuspert' er sich dreymal, sann
Ein wenig nach, und legte dann
Sein Heldenmaul in Falten."Die Griechen hielten uns umschanzt
Zehn volle Jahr' und drüber:
Allein wo man Kartätschen pflanzt,
Da setzt es Nasenstieber.
Dieß schien den Griechen nun kein Spaß,
Denn unter uns sie hielten was
Auf unversengte Nasen.
[...]"
Bei Vergil findet sich das inhaltliche Pendant zu dieser Passage zu Beginn des zweiten Gesangs:
Alle verstummten ringsum, voll Spannung blickte ihr Auge.
Nunmehr begann vom erhabenen Sitz der Vater Aeneas:
"Unaussprechlichen Schmerz erneuert, o Fürstin, dein Wort mir.
Wie die trojanische Macht, das Reich, das würdig der Tränen,
Starb unter Danaerhänden, wieviel ich des Elends gesehen,
Was ich auch selber erlitt wer könnte, erzählte er dieses,
Myrmidon, Doloper oder Soldat des wilden Ulyxes,
Wehren dem Strom seiner Tränen? Auch eilt vom Himmel die Nacht schon
Tauend herab, es laden zum Schlummer die sinkenden Sterne.
[...]"