Das Montage-Verfahren des Filmszenen-Schnitts, das in Literatur nachgebildet werden kann, indem zwei unterschiedliche Szenen (mit unterschiedlichen Figuren, Perspektiven usw.) innerhalb eines fiktiven Gesamtgeschehens unvermittelt hintereinander gestellt werden, ist mittlerweile in der modernen und postmodernen Erzählliteratur üblich geworden, auch und insbesondere in 'trivialen' Genres wie etwa dem Thriller.

In der deutschen Literaturgeschichte ist ein Nachkriegsroman aus den 50er Jahren bekannt dafür, dieses Verfahren extensiv und zu ästhetischen Zwecken verwendet und damit in die deutsche Literatur eingeführt zu haben. Wolfgang Koeppens Roman über die "Tauben im Gras" wechselt nämlich von Abschnitt zu Abschnitt die menschlichen 'Tauben', immer wieder wendet er sich einer neuen zu, oft aber so, daß ein Wort oder eine andere Übereinstimmung die 'montierten' Szenen miteinander verbindet. Etwa hier, gegen Ende des Romans:

[Edwin ist unterwegs auf dem Schwulen-Strich ...] Edwin sah ihre Gesichter. Er dachte 'sie sind stolz und schön'. Er übersah nicht ihre Fäuste, ihre großen und grausamen Fäuste, aber hielt sich an ihre Gesichter, stolz und schön.

Es war ein Fest ohne Stolz und Schönheit. War es ein Fest? Was feierten sie? Feierten sie das Nichts? [... und so wendet sich der Erzähler einem Fest der Bohème der Stadt zu.]