(wohl lat.: satura = Opfer- oder Fruchtschüssel)

Schreibweise (bzw. Verfahren): überzeichnende und oft indirekte Abbildung einer außerliterarischen Realität, um diese als defizitär in Bezug auf eine bestimmte Norm zu entlarven

Gattung oder Gruppe von Gattungen der Antike (und Frühen Neuzeit): römische Verssatire, die in stilisierter Form und mit moraldidaktischem Anspruch auf zeittypisches Fehlverhalten aufmerksam macht, und/oder menippeische Satire, die eher auf die Komisierung und Herabsetzung ihrer Gegenstände setzt und dabei individuelle Darstellungsformen entwickelt

Die beiden antiken Gattungen oder Gattungstypen, die vor allem mit den Namen Horaz (Verssatire) und Lukian (Menippee) verbunden sind, wurden in vielfacher Weise in der Literatur der Neuzeit adaptiert und weiterentwickelt, so daß auch hier – ähnlich wie von ihren antiken Vorbildern – von Gattungen oder Subgattungen gesprochen wird.

Leistungsfähiger und flexibler scheint jedoch eine Konzeption der Satire als Schreibweise oder Verfahren zu sein, zumal so das Verfahren an verschiedene, historisch differierende Realisierungsformen angebunden werden kann, wobei schon die beiden antiken Gattungstypen in etwa die funktionale Spannweite dieser Schreibweise zwischen Moraldidaxe und Komik repräsentieren können.

Denn in beiden Fällen wird auf eine außerliterarische, zumeist zeitgenössische, oft gesellschaftliche Realität Bezug genommen. Diese wird als negativ angesehen und dementsprechend dargestellt. Dies wiederum setzt – so wird jedenfalls häufig angenommen – zumindest implizit, oft aber auch explizit einen bestimmten Maßstab, etwa eine moralische Norm, voraus, nach dem dieser Wirklichkeitsausschnitt abgewertet oder negativ beurteilt wird. Somit wird in der Satire oft ein defizitäres Sein einem idealen Sollen gegenübergestellt.

Zur Darstellung kommt dabei aber nur das 'defizitäre Sein', das zumeist indirekt angesprochen wird, dennoch aber im Prinzip als Mißstand erkennbar bleibt. So fehlen häufig Namensnennungen, wenn es um politische Mißstände geht, oder die gemeinten Personen werden per Allegorie 'verkleidet', die Mißstände der eigenen Gesellschaft in ein fernes Land verlegt usw.

So besteht die zentrale Funktion allen satirischen Schreibens (oder allgemeiner: Darstellens) darin, den betreffenden Ausschnitt der Wirklichkeit als Mißstand darzustellen, ihn mithin – etwa auch gegen die herrschende oder vorherrschende Meinung – als solchen zu entlarven. Insofern ist die Satire potentiell immer auch gesellschaftspolitisches Instrument.

Diese Darstellung überspitzt und überzeichnet im allgemeinen das Dargestellte, indem sie es sachlich bzw. inhaltlich übertreibt und/oder sprachlich pointiert. Sie arbeitet also (wie etwa die menippeische Satire) immer auch mit Komisierungsstrategien, die den erkannten Mißstand und seine Verantwortlichen lächerlich machen, und/oder (wie die römische Verssatire) mit sprachlichem Witz, der die Defizite der Realität offenlegt und der überlegenen geistig-moralischen Haltung des Satirenautors gegenüberstellt.

Beispiel