(ital.: ballata = Tanzlied)
Gattung: Erzählung einer abgeschlossenen, als bedeutsam präsentierten Handlung in einfacher Vers-, Reim- und Strophengestaltung
Die eigentliche literarische Ballade, die im deutschsprachigen Raum vor allem vom Sturm und Drang an bis weit ins 19. Jahrhundert hinein beliebt war und in der Goethezeit als 'Kunstballade' konzipiert wurde, geht auf ältere Gattungen und Formen zurück. Diese gelten als volksnah oder volkstümlich, weil sie einfach strukturierte, aber interessante, bemerkenswerte oder wundersame Inhalte und Handlungen in einfacher lyrischer Gestaltung präsentieren. Dazu zählen die sogenannten Volksballaden des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, aber auch die Moritaten und Bänkelsänge des Jahrmarktes. Erstere beinhalten zumeist quasi-historische oder mythische Erzählungen, letztere hingegen eher aktuelle Skandalgeschichten.
Die Ballade ist zudem verwandt mit verschiedenen ähnlichen Traditionen in anderen Literaturen, etwa der spanischen Romanze.
An diese Volkstraditionen schließt sich die (literarische) Ballade der Goethezeit bewußt an: Sie erzählt abgeschlossene Handlungen, die einfach, aber aufsehenerregend, oft sogar wunderbar oder numinos sind, mitunter auch eine moralisch-didaktische Position oder sogar eine kritische Haltung vertreten und die auf einen oder einige wenige Höhepunkte zusteuern. Die Erzählung selbst ist ebenfalls handlungsorientiert, operiert mit einem vermittelnden Erzähler, der gelegentlich jedoch zugunsten der Wiedergabe von Dialogen zurücktritt. Sie ist in einfachen Vers-, Reim- und Strophenstrukturen gestaltet, zumeist in kontinuierlicher Wiederholung desselben strophischen Formprinzips, etwa dem einer bestimmten Volksliedstrophe.
Aufgrund dieser Konzeption galt die Ballade qua dramatisch gestaltetes Erzähllied insbesondere in der Goethezeit als eine Art Ursprung der Dichtung, da in ihr alle drei Naturformen vereinigt sind: die dramatische Gestaltung der Handlung und die lyrische Formung der epischen Erzählung.
Gegen Ende des 19. und im Verlauf des 20. Jahrhunderts verlor die Kunstballade erkennbar an Bedeutung, diente jedoch wie verwandte Traditionen von Erzählliedern zuweilen noch als (kritischer) Bezugspunkt für spezifisch moderne Formen und Gattungen, die in lyrischer Gestaltung erzählen und insbesondere den Aspekt der Volksnähe und das gesellschaftskritische Potential dieser Traditionen reaktivieren. Dies geschieht etwa im Protestsong, dem Chanson (des Kabarett) oder in der politischen Ballade.