In Eduard Mörikes Gedicht "Auf eine Lampe" von 1846, das immer wieder als paradigmatisches Dinggedicht bezeichnet wird, steht die Beschreibung einer kunstvollen Lampe in ihrer Umgebung, die es an Anmut mit der Lampe selbst aufnehmen will, was das Gedicht in seiner poetologischen Schlußwendung anzudeuten scheint:

Noch unverrückt, o schöne Lampe, schmückest du,
An leichten Ketten zierlich aufgehangen hier,
Die Decke des nun fast vergessnen Lustgemachs.
Auf deiner weissen Marmorschale, deren Rand
Der Efeukranz von goldengrünenem Erz umflicht,
Schlingt fröhlich eine Kinderschar den Ringelreihn.
Wie reizend alles! lachend, und ein sanfter Geist
Des Ernstes doch ergossen um die ganze Form –
Ein Kunstgebild der echten Art. Wer achtet sein?
Was aber schön ist, selig scheint es in ihm selbst.

Mindestens ebenso bekannt sind die Dinggedichte, die einen wesentlichen Bestandteil von Rainer Maria Rilkes "Neuen Gedichten" und ihrer spezifischen Poetik repräsentieren. Sie sind häufig auf Dinge bezogen, die auf tatsächliche Beobachtungen des Dichters zurückzugehen scheinen, so etwa "Das Karussell", das 1906 in Paris entstanden ist und – so ist die Ortsangabe "Jardin du Luxembourg" im Untertitel wohl zu verstehen – ein Pariser Karussell darstellt, ausdeutet und dessen Kreisbewegung in der Versanordnung imitiert:

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
[...]

Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur daß er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.

Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand,
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber –

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und das geht hin und eilt sich, daß es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil – .
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel ...