Die Elegie als in Distichen geformte Liebesklage findet bei den Dichtern der römischen Klassik ihren ersten Höhepunkt, etwa bei Ovid, in seinen "Amores":

Non ego nobilium sedeo studiosus equorum;
  Cui tamen ipsa faves, vincat ut ille, precor.
Ut loquerer tecum, veni, tecumque sederem,
  Ne tibi non notus, quen facis, esset amor. [...]

Nein, ich sitze hier nicht als ein Liebhaber rassiger Pferde;
  Dem, zu dem du hältst, wünsche ich freilich den Sieg.
Nur um mit dir zu sprechen, kam ich, bei dir will ich sitzen,
  Daß dir nicht unbekannt sei, welch eine Liebe du weckst. [...]

Bewußt ähnlich in Form, Ton und Inhalt gestaltete Goethe 1800 Jahre später seine "Römischen Elegien":

Laß dich, Geliebte, nicht reun, daß du mir so schnell dich ergeben!
Glaub es, ich denke nicht frech, denke nicht niedrig von dir.
Vielfach wirken die Pfeile des Amors: einige ritzen,
Und vom schleichenden Gift kranket auf Jahre das Herz. [...]

Der andere Weimarer Klassiker, Schiller, nutzt die Form der Elegie zu ganz anderen, philosophischeren Inhalten, etwa im berühmten "Spaziergang", der aber auch auf einer Klage angesichts des Mißverhältnisses von Ideal und (gesellschaftlicher) Wirklichkeit beruht:

Sei mir gegrüßt, mein Berg mit dem röthlich strahlenden Gipfel!
  Sei mir, Sonne, gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint!
Dich auch grüß' ich, belebte Flur, euch, säuselnde Linden,
  Und den fröhlichen Chor, der auf den Ästen sich wiegt,
Ruhige Bläue, dich auch, die unermeßlich sich ausgießt
  Um das braune Gebirg, über den grünenden Wald,
Auch um mich, der, endlich entflohn des Zimmers Gefängniß
  Und dem engen Gespräch, freudig sich rettet zu dir. [...]

Den Charakter verhaltener Klage weisen auch Rilkes "Duineser Elegien" auf. Sie sind freilich in eine je eigene Form gebracht, die mitunter noch an die Gestaltungstraditionen seit der Antike erinnert. Der Gedichtzyklus setzt so ein:

Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel
Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme
einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem
stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich. [...]