(griech.: epí-gramma = Inschrift)
(lyrische) Gattung oder Form: geistreiche, sinnvolle, witzige und/oder angriffslustige, immer aber knappe und pointierte Aussage in einer ebenso knappen, versifizierten Form (traditionellerweise in Distichen)
Das Epigramm ist eine bereits in der Antike entwickelte lyrische Gattung, die ursprünglich gerne für Inschriften auf Grabsteinen oder Opfergaben verwendet wurde. In der Frühen Neuzeit wurde es dann unter Rückgriff auf die antiken Vorbilder in die verschiedenen neuen Literaturen eingeführt.
Während das antike Epigramm jedoch auf die Strophenform des Distichon verpflichtet war und zumeist in einem oder einigen wenigen Distichen realisiert wurde, fanden im 16., 17. und 18. Jahrhundert auch andere Vers- und Strophenformen Verwendung.
Sie haben jedoch allesamt eines gemeinsam: Sie unterstützen durch ihre deutliche Kürze die inhaltliche Pointiertheit des Epigramms.
Diese Prägnanz bleibt nämlich den antiken Vorbildern verpflichtet erhalten. Der Aussagegehalt eines Epigramms ist immer knapp und auf den Punkt gebracht und läßt zumeist an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig.
Gleichwohl sind im Prinzip zwei (inhaltliche) Ausrichtungen des Epigramms zu unterscheiden: Da ist zum einen das geistreiche oder gar weise 'Sinngedicht' (so eine deutscher Name des Epigramms), das sich in ebenso kluger wie oft witziger Weise einem allgemein menschlichen, moralischen oder aktuellen Thema zuwendet. Und da ist zum anderen der insgesamt wohl dominante scharfsinnige und witzige Angriff auf eine Person, eine Mode der Zeit, eine politische oder moralische Entwicklung, die kritisch angegriffen und satirisch präsentiert wird.