Als Beispiel für Gelegenheitsdichtung soll hier ein in der Tradition des panegyrischen Herrscherlobs stehendes Neujahrsgedicht angeführt werden, das der Dichter Salomon Hase 1655 seinem Fürsten überreichte. Es ist von manieristischer Kunstfertigkeit und bezeugt insofern nicht nur die Fertigkeiten des Dichters, sondern auch die Hochschätzung, die die Poeten am Braunschweigischen Hofe erfahren (sollten). Denn es folgt einer am ABC orientierten Topik des Lobens:

Pappierenes New=Jahres=Geschencke.
Das ist:
Augustisch=Fürstlich=Braunschweig=Lünäburgisches Ruhm= und Tugend A.B.C.

Vor= und rückwerts vollenkommen zu lesen / Wann die zweybedeutende Buchstaben in ihre Ein=bedeutende auffgelöset werden / Nemlich: W in UV. oder VU. X in CS. GS. und VS. Y i II. und Z in SS.

In aller Einfalt gedichtet / unzierlich geschrieben / und in Unterthänig= und demütigem Gehorsam übergeben / Von
Salomone Hasaeo [...]

  Vorwerts.

Augustus Begierig Christ=Dienender Ehre /
Fürcht Gott Hertz=Indringlichst: Käzzerisch Lehre
Meidt; Nichtiget Offenbahr Päpstisches Quärcken.

  Oder:

(Furcht Gottes Hagt Inniglich: Käzzerisch Lehre
Meidt; Namentlich Ostermahl Päpstlerey Quählet.)
Regiert Sein Thun Vorsichtig: Vermaledeyet
Unfriede: Clar Schreibet: Guts Schaffet: Vernewet
Schutz Jederman; Ja Schulen Stifft.

Gott woll' ihn stärcken!
Von Gott erwählet.

  Oder: Rückwerts.

Schrifft Samlen Ist Immerdar Seine Verrichtung:
Seine Gnade Scheint Clärlich; Und Unser Vernichtung
Treweiferig Straffet Rechts Quellende Probe.
Ohn Niemandes Mangel Lehrt Kräfftig Im Hertzleid:
Giebt Frölich; Erduldet Des Creutzes Bürd' Allzeit.

So ehret / so mehret Augustisches Lobe!