(griech.: hýmnos = Lobgesang)
lyrische Gattung oder Tradition: feierlicher Lob- oder Preisgesang einer göttlichen oder übergeordneten Instanz mit entsprechendem sprachlichen und formalen Aufwand
Die Hymnendichtung hat ihre Ursprünge sowohl in den (festlichen) Lob- und Feiergesängen der griechischen Antike und ihrer religiösen Kulte als auch in der jüdisch-christlichen Tradition mit ihrer Psalmendichtung. Gegenstände des Lobs und Gegenüber des damit verbundenen Gebets ist im allgemeinen eine antike Gottheit oder der jüdisch-christliche Gott.
Diese Bindung an erhabene feierliche Gegenstände wird in der Adaption der Hymnendichtung in der Neuzeit beibehalten, die ausschließliche Ausrichtung auf Transzendentes aber zunehmend aufgekündigt zugunsten der Möglichkeit, auch Natürliches und Innerweltliches zu preisen. Hier ist die Hymne in direkter Nachbarschaft zur feierlich lobenden, aber immer deutlich anlaßbezogenen Gelegenheitsdichtung zu sehen. Seit dem 18. Jahrhundert dient die Tradition der Hymne außerdem der Realisation des Ausdrucks subjektiver Ergriffenheit.
Nicht modifiziert wird hingegen die dem Gegenstand (und womöglich auch dem feierlichen Anlaß) angemessene aufwendige Gestaltung der Hymne: Hier dominieren eine pathetisch-erhabene Sprache mit entsprechendem Stil und Ton sowie aufwendige Vers- und Strophenformungen.
In allen Aspekten ist die Hymne eng mit der Ode verwandt und mitunter kaum von ihr zu unterscheiden. In diesem Basislexikon wird die Ode als Familie von Gedichtmaßen eingeführt, die prinzipiell auch für Hymnen geeignet sind oder die die fest geformte Ode von der freien, immer individuell geformten Hymne unterscheiden je nach Auffassung.
Die Ode kann aber ebenso wie die Hymne als Gattungstradition konzipiert werden, die als feierliches Lied ganz allgemein entweder die der Hymne mitumfaßt oder sich von ihr insofern unterscheidet, als sie weniger elitären oder göttlichen Gegenständen vorbehalten ist und sich insofern mit etwas weniger Pathos und Enthusiasmus zufriedengibt.