Klasse lyrischer Gedichte: lyrisches Gedicht, das in Gehalt und Sprache erkennbar die Position einer bestimmten Person bzw. eines spezifischen Personentyps vertritt

Das Rollengedicht unterscheidet sich insofern von anderen lyrischen Gedichten, als es als Aussprache einer bestimmten Rolle erkennbar ist, unabhängig davon, ob es konventionelle Gedanken in rhetorisch standardisierter Sprache, das Seelenleben des Betreffenden in adäquatem poetischem Ausdruck, philosophische Reflexionen oder etwas ganz anderes zur Sprache bringt – bzw. in die Form eines lyrischen Gedichts bringt.

Daß in einem solchen Rollengedicht aber eine Person, ein Personentyp, der Repräsentant einer bestimmten Gruppe, Klasse usw. spricht, ist erkennbar, zumeist entweder durch Bennenung dieser Rolle im Titel usw. oder durch den Inhalt des Gedichts selbst. Häufig sind es für eine Epoche, Kultur oder für einen bestimmten Handlungs- oder Kommunikationszusammenhang besonders repräsentative oder wichtige Rollen, die sich in Rollengedichten äußern.

Somit kommt dem Rollengedicht – ähnlich wie Rollenprosa oder der dramatischen Figurenrede – eine ganz andere kommunikative Leistung zu als anderen Gedichten, sagt es doch mehr über seinen Sprecher, eben die Rolle aus als über das, worüber dieser spricht. Denn im Vordergrund steht beim Rollengedicht die Präsentation dieser Rolle und ihrer eigenen Weltaneignung, -deutung und Sprache.

Insofern ist die sprechende Instanz eines Rollengedichts auch kaum mit dem Begriff des lyrischen Ich zu vermitteln.

Auf der anderen Seite eröffnet diese kommunikative Grundstruktur von Rollen-Literatur auch dem Rollengedicht eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten, etwa innerhalb von erzählenden Texten, wo Figuren durch die lyrischen Gedichte, die sie vortragen, eingeführt oder charakterisiert werden können.

Aber auch ohne eine solche Einbindung in einen derartigen Handlungsrahmen begleitet das Rollengedicht die Geschichte der Lyrik von der Antike bis in die Moderne und Postmoderne, es wandelte sich in Gehalt, Ausdruck, Form und Anspruch mit der Lyrik überhaupt, auch wenn ihm das große Thema Liebe besonders nahezustehen scheint.

Beispiel