(griech.: dráma = Handlung; Schauspiel)
Dramatik / dramatisches Gedicht oder Drama Klasse oder Gruppe von Klassen von Texten, die sich vor allem durch die besondere Kommunikationssituation des Theaters auszeichnen, auf die sie ausgerichtet sind: auf eine plurimediale, unmittelbare, gegenwärtige und auf agierende Figuren konzentrierte Präsentation von Handlung oder Geschehen
Dramatik / das Dramatische Grundbegriff/Naturform: unmittelbare Präsentation individueller, spannungsreicher Handlungen
dramatisch Adjektiv zu 'Dramatik' in einem der beiden Sinne (oder im zweiten verkürzt auf: spannungsreich)
Der Begriff der Dramatik ist weniger problematisch im Hinblick auf die fundamentalpoetische Einteilung der Dichtung nach der Gattungstrias und die zugehörigen Grundbegriffe als etwa der der Lyrik. Denn sowohl die literaturwissenschaftliche Auffassung von Dramatik als Sammelbegriff als auch die fundamentalpoetische Fundierung stimmen mit der dramenpoetologischen Tradition im Grunde darin überein, daß die spezifische, auf die theatrale Aufführung ausgerichtete Kommunikationssituation von Dramen für diese wesentlich kennzeichnend sind.
Daran anschließende Festlegungen der Inhalte von Dramen (etwa auf spannungsreiche Geschehnisse zwischen und mit individuellen Figuren oder gar Handlungen) bleiben hingegen vor allem angesichts moderner Dramatik problematisch.
Entsprechend der antiken Wort- und Begriffsherkunft und der charakterisierten Kommunikationssituation ist aber eine gewisse Ausrichtung auf unmittelbar darstellbares Geschehen festzustellen. Die unmittelbare, plurimediale Kommunikationsstruktur des Theaters erfordert nun einmal erkennbare Figuren, die in Handlungs- oder Geschehenszusammenhänge verwickelt sind. Und die Fixierung der Literatur auf das Medium Text macht den Einsatz sprechender Figuren in Dramen zum Normalfall: Diese Figurenrede stellt nun wiederum eine dramentypische doppelte Kommunikation dar: Denn zum einen sprechen die Figuren für sich oder miteinander, zum anderen sprechen sie immer auch für ein zuhörendes Publikum.
Zu unterscheiden ist prinzipiell zwischen dem Text eines Dramas und seinen verschiedenen Aufführungen. Diese sind tatsächlich plurimediale, kollektive und je einmalige performative Ereignisse, jener ist im Prinzip nur auf potentielle (und oft schwierig zu realisierende) Aufführungen hin ausgerichtet, welche die Textvorgaben konkretisieren. Das literarische Drama umfaßt somit üblicherweise zwei unterscheidbare Textmodi: den Haupttext der Figurenrede und den Nebentext, in dem wesentliche Festlegungen für potentielle Aufführungen getroffen werden, an die die theatralische Realisation allerdings oft nicht gebunden ist. Beide Textmodi können freilich je für sich stark zurücktreten oder gar wegfallen (so daß die Aufführung auf Basis des jeweils anderen Textmodus konkretisiert werden muß), nie aber beide gemeinsam.