(griech.: tragikós = zur Tragödie gehörig)

wirkungsästhetische Kategorie: Erregung von Mitgefühl, Entsetzen, Mitleid, Schrecken und dergleichen mehr durch die Darstellung des Untergangs oder Scheiterns einer Figur, die dies nicht unbedingt verdient hat

Man kann dieser Bestimmung nach also unterscheiden zwischen einem tragischen Geschehen und den daraus resultierenden Wirkungen. Beides ist aber wesentlich aufeinander bezogen und wird für gewöhnlich mit der besonders intensiven und somit affektfreudigen Kommunikationssituation des Theaters in Verbindung gebracht. Demzufolge ist das tragische Geschehen oft und ursprünglich in bestimmten Dramen, den Tragödien, zu finden, die entsprechenden Wirkungen bei ihrem Publikum.

Weder die Wirkung noch das tragische Geschehen sind aber auf die Tragödie des Theaters beschränkt, sondern können auch in anderen (literarischen) Gattungen (etwa der Ballade) und Medien (etwa im Film) vorkommen, der Begriff der 'Tragik' wird – entgegen seinem Ursprung in der Ästhetik – mitunter sogar auf reale Geschehnisse bezogen.

Genauere Bestimmungen der tragischen Wirkung einserseits und des tragischen Geschehens andererseits sind seit Beginn des Nachdenkens über die Tragödie in der Antike ebenso oft vorgetragen wie verworfen worden. Beides ist insofern kaum verbindlich zu fassen.

Die Wirkungen der Tragödienhandlung (bzw. des tragischen Geschehens) sind aber wohl nicht anders denn als Affekte, also als starke, emotionale Regungen aufzufassen, denen der Zuschauer oder Rezipient sich kaum entziehen kann. Diese beinhalten gleichwohl auch ein rationales Moment, beruhen sie doch auch darauf, das dargestellte Geschehen auf sich selbst und das eigene Leben zurückzubeziehen, freilich in der ebenso sicheren Gewißheit, daß es ein bloßes Theatergeschehen ist. Um die grundlegende Identifikation mit dem scheiternden Helden leisten zu können, müssen dieser und das tragische Geschehen um ihn bestimmte Charakteristika aufweisen.

So geht man gemeinhin davon aus, daß der tragische Held ein 'mittlerer Held' sei, also weder besonders gut noch besonders schlecht oder gar böse. Damit ist er dem Publikum ähnlich und kann insofern als Identifikationsfigur dienen. Er ist aber vor allem fähig, so zu scheitern oder umzukommen, daß ihm dieser Untergang weder allein angelastet noch daß er von aller Mitverantwortung freigesprochen werden kann. Die Katastrophe, wie ein solcher Untergang in der Tragödie genannt wird, ist somit auf ein komplexes und mitunter paradoxes Zusammenspiel von Schuld und Unschuld, Freiheit und Notwendigkeit, Zufall und Schicksal, Verantwortung und Verstrickung, Kampf und Leid zurückzuführen (dessen Details zudem historisch variabel sind). Im allgemeinen ist die jeweilige Kernproblematik dem tragischen Helden zudem (bedingt) bewußt.