(griech.: chorós = Tanzplatz; Tanz- und Sing-Chor)
dramatisches Bauelement und komplexe Figur insbesondere antiker Dramen: singende und tanzende Gruppe, die nicht immer (ganz) in das fiktive Dramengeschehen integriert ist, mit verschiedenen Funktionen
Der Chor ist ein zentrales Bauelement der antiken, insbesondere der klassischen griechischen Dramen, der Komödien wie der Tragödien. Er dürfte zudem den Ursprung der Dramatik in der religiösen Praxis der Griechen markieren. Doch auch in der Neuzeit gibt es verschiedene Versuche und Modi, den Chor oder doch zumindest musikalisch-gesangliche und/oder tänzerische Elemente (wieder) in die Dramatik zu integrieren, etwa in den verschiedenen Gattungen des Musiktheaters.
Die Stellung bestimmter Chorauftritte in den griechischen Tragödien und (weniger stark) in den Komödien ist relativ fix, so daß die Chorauftritte die Dramenhandlungen gliedern. So treten etwa die Chöre der Tragödien wie der Komödien immer erst nach der ersten Szene auf, so daß ihr Erscheinen bewußt nachvollziehbar ist. Mit der Parabase kennt die alte Komödie zudem eine bestimmte Form des Chorauftritts, die das fiktive Bühnengeschehen bewußt unterbricht.
Zudem verweisen die Chorauftritte in diesem Zusammenhang immer auch auf den kultischen Ursprung der Dramatik.
Besonders in den klassischen Tragödien und Komödien des 5. Jahrhunderts v. Chr. ist der jeweilige dramatische Chor mehr oder minder deutlich als komplexe Figur in den Handlungszusammenhang integriert und agiert als Gruppenfigur, die zumeist die (gesellschaftliche) Öffentlichkeit und damit wiederum das Theaterpublikum repräsentiert. Als solche Figur ist der Chor jederzeit bereit und in der Lage, das Geschehen (bzw. die anderen Figuren) zu beeinflussen, indem er es bewertet und kommentiert.
Später verselbständigt sich diese Kommentar-Funktion: Der Chor tritt aus dem eigentlichen Dramengeschehen heraus und trägt 'nur noch' (mehr oder minder) auf das Bühnengeschehen bezogene gliedernde Einlagen vor.
Vor allem aber sorgen der antike Dramenchor und seine neuzeitlichen Nachfolger für eine Anreicherung der sinnlichen Präsentation der Theateraufführung, indem sie rhythmisch gestaltete, im allgemeinen instrumental begleitete Gesangspartien auf der einen Seite, tänzerische 'Choreographien' auf der anderen zum 'Gesamtkunstwerk' der Dramenaufführung beisteuern.