Normen traditioneller Dramatik für die dramatische Handlung: diese soll einheitlich und in sich abgeschlossen sein, sich ohne Ortswechsel abspielen und innerhalb eines überschaubaren Zeitraums
Die Einheit der Handlung, des Orts und der Zeit, die weniger auf Aristoteles selbst als auf seine Rezeption in der Frühen Neuzeit und die Ausrichtung an antiken Vorbildern zurückgeht, dominierte das europäische Drama bis weit in die Neuzeit. Sie ist der zentrale Bestandteil der geschlossenen Form traditioneller Dramatik. Als unumstößliche Norm galt diese Lehre insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert.
Die Einheit der Handlung ist dabei sicherlich die wichtigste Anforderung an das 'geschlossene' Drama. Sie umfaßt im Grunde vier Teilaspekte: Die Dramenhandlung soll (1) in sich geschlossen sein, also ein Anfangsmoment und einen Abschluß haben, sie soll (2) keine bedeutenden Nebenhandlungen haben, also im Prinzip nur den einen 'Hauptstrang' umfassen, dieser soll (3) zielgerichtet auf den Abschluß hinführen, wobei die einzelnen Handlungssequenzen (4) kausal, also nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung, Aktion und Reaktion miteinander verknüpft sind.
Die Einheit des Orts verlangt, daß der Schauplatz eines dramatischen Geschehens möglichst für die gesamte Dauer der Handlung (bzw. der Aufführung) erkennbar derselbe bleibt, daß also keine (oder möglichst wenige) Schauplatzwechsel stattfinden.
Die Einheit der Zeit fordert Entsprechendes für die Dauer des dramatischen Geschehens: Dieses soll innerhalb eines überschaubaren (und kontinuierlich ausgefüllten) Zeitrahmens einem Tag etwa zum Abschluß kommen.
Die Norm der drei Einheiten beruht sicherlich auch auf den Bestrebungen klassizistischer Ästhetik nach Geschlossenheit, Ganzheit und Ausgewogenheit ihrer Kunstwerke. Zudem fördert ihre Einhaltung natürlich den Illusionscharakter der dramatischen Handlung, da so die Differenz zwischen dem fiktiven dramatischen Geschehen und dem gezeigten Bühnengeschehen minimiert wird.
Die Norm der drei Einheiten hat aber auch praktische Gründe und Hintergründe, erleichtert die Erfüllung dieser Norm doch die Aufführungspraxis (und fördert so den Illusionscharakter), indem sie Szenenwechsel verbietet, Zeitsprünge verdammt und komplexe Handlungsgefüge ausschließt.