In der "Poetik" des Aristoteles wird von den drei Einheiten nur die der Handlung explizit gefordert (und die Forderung begründet), insbesondere in ihrem Aspekt der Geschlossenheit. Die Einheiten von Ort und Zeit waren jedoch – wohl aus aufführungspraktischen Gründen – in den Dramen, auf die sich die "Poetik" bezieht, weitgehend gegeben: in den klassischen griechischen Tragödien des 5. Jahrhunderts von Aischylos, Sophokles und Euripides.

Seit der Wiederentdeckung der "Poetik" zu Beginn der Neuzeit entstand dann die dreifache und breit gültige Norm für alle Dramatik (die den Anspruch erhebt, 'wahre Kunst' zu sein), die drei Einheiten zu realisieren. Dies kulminierte in der französischen Klassik des 17. Jahrhunderts mit den Tragödien Racines und Corneilles und wurde in der deutschen Dramatik des frühen 18. Jahrhunderts (befördert und gefordert durch Gottsched) fortgesetzt.

Die zentrale Poetik der französischen Klassik, Nicolas Boileaus "L’Art poetique" von 1674 weist im dritten Gesang überdeutlich darauf hin und begründet es mit der 'Vernunft':

Wir aber, die den Regeln der Vernunft verpflichtet sind, wollen, daß die Handlung in angemessener Weise abläuft: jedes Stück darf nur eine einzige abgeschlossene Handlung haben, die sich an einem Ort und innerhalb eines Tages realisiert – dann harrt das Publikum aus, bis der Vorhang fällt.

Die uneingeschränkte Gültigkeit dieser Norm verfiel im Verlauf des 18. Jahrhunderts in allen europäischen Literaturen, bestimmte poetische Programme und Schulen, etwa die Weimarer Klassik, aktivierten sie aber noch einmal. Es setzte sich dennoch zunehmend die offene Form der dramatischen Handlung durch, zumal sie sich mit Shakespeare auf ein Vorbild beziehen konnte.