Die drei hier vorgestellten Bauelemente der Dramenhandlung wurden in der "Poetik" des Aristoteles – anhand von Beispielen aus der klassischen attischen Tragödie – eingeführt. Diese Dramenpoetik und die antiken Modelltexte dienten lange Zeit als Orientierungspunkte für die europäische Dramenproduktion.

So erläutert Aristoteles etwa die Anagnorisis anhand des "Ödipus" von Sophokles: Dort durchschaut Ödipus, der aus eigener Initiative die Nachforschungen eingeleitet hat, daß er selbst der gesuchte Vatermörder ist (und damit auch der Gatte seiner Mutter): Das vermeintlich einer abschließenden Aufklärung (und der Erwartung eines daran anschließenden Glückszustandes) zustrebende Geschehen wendet sich urplötzlich und (zumindest für die Hauptfigur) völlig unerwartet zur Katastrophe: Ödipus blendet sich selbst und geht ins Exil.

Als solcher "Umschlag von Unkenntnis in Kenntnis" (Aristoteles) ist die Anagnorisis so am besten, d.i. effektivsten eingerichtet, da sie hier "zugleich mit der Peripetie" (A.) eintritt, die wiederum fast zwangsläufig in der Tragödie zur Katastrophe führt.

Bekanntlich ist uns Aristoteles' Behandlung der Komödie nicht erhalten. Der umgekehrte Fall kann aber leicht konstruiert werden – und ist in zahlreichen Komödien so auch realisiert: Der junge Mann, der (etwa durch die Intrigen des Nebenbuhlers) scheinbar nicht für die Ehe mit der Heldin in Frage kommt (mangels Geld, Charakter, Ansehen usw.), entpuppt sich unerwartet als tadelloser Hochzeitskandidat, und so kann es am Ende zum glücklichen Ehebund kommen.