(griech.: teíchos = Mauer; skopía = Wacht, Umschau)

Teichoskopie / Mauerschau – dramatisches Bauelement: zeitgleicher Bericht von einem handlungsrelevanten Geschehen, das nicht gezeigt wird, durch eine Person auf der Bühne

Botenbericht – dramatisches Bauelement: nachträglicher Bericht von einem handlungsrelevanten Geschehen, das nicht gezeigt wird, durch eine Person auf der Bühne

Mauerschau und Botenbericht werden mitunter unter dem Terminus 'verdeckte Handlung' zusammengefaßt:

Das Geschehen, von dem der Posten (auf der Mauer), Beobachter, Späher oder Bote berichtet oder erzählt, ist für die fiktive Dramenhandlung von Bedeutung, etwa weil es den weiteren Fortgang der Handlung prägt, weil es Handlungsumschwünge (Peripetien) einleitet oder Wiedererkennungen (Anagnoriseis) ermöglicht. So kann sich zum Beispiel in einer per Mauerschau wiedergegebenen Schlacht das Schicksal eines der Protagonisten entscheiden oder in einem per Boten übersandten Bericht eine ganz neue Sachlage für die beteiligten Personen ergeben.

Das Geschehen selbst kann aber oder soll nicht gezeigt werden. Es kann nicht auf der Bühne selbst gezeigt werden, wenn bzw. weil es die bühnenpraktischen oder -technischen Möglichkeiten des Theaters (und der an der Aufführung Beteiligten) übersteigt – und es soll nicht gezeigt werden, also verdeckt bleiben, wenn bzw. weil es (insbesondere bei Greueltaten) dem Publikumsgeschmack (aus ästhetischen und/oder moralischen Gründen) nicht zuzumuten ist. Es sind natürlich auch weitere Gründe für das Verdecken von Handlungen denkbar.

Der wichtigste von diesen dürfte wohl in einem effektiven dramaturgischen Vorteil der verdeckten Handlung bestehen, sind doch nur so die Reaktionen der betroffenen Personen auf das Berichtete auf der Bühne darzustellen. Die Berichte und Erzählungen der Boten und Posten unterscheiden sich daher grundlegend vom vermittelten Erzählen. Denn sie selbst sind als Berichterstatter auch handelnde (und leidende) Figuren, vor allem aber wendet sich ihr Bericht an solche, so daß die Berichterstattung selbst voll in das Dramengeschehen einbezogen ist.

Abgesehen von dem je typischen Szenario (hier der Späher auf der Burgzinne, dort der herankommende Bote) unterscheiden sich die beiden Modi der verdeckten Handlung dadurch, daß das per Teichoskopie Berichtete zeitgleich wiedergegeben wird (der Späher sagt, was er sieht), während der Botenbericht nachträglich bereits Vergangenes vermittelt (der Bote sagt, was er sah oder was man ihm auftrug).

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