unmittelbar dargestelltes Geschehen des Dramas (insoweit es handlungsfähigen Figuren zugeschrieben werden kann)
Fast alle der hier zur Sprache kommenden dramatischen Bauelemente und Bauformen stützen sich auf einen Begriff der (dramatischen) Handlung.
Dieser kann eng als (dramenspezifische, also unmittelbare) Darstellung eines Komplexes von Geschehnissen und Handlungen, die von individuellen, identifizierbaren und handlungsfähigen Figuren ausgehen, aufgefaßt werden. Er kann aber auch so weit gedehnt werden, daß alles dramatische Geschehen miteinbezogen wird, auch wenn es nicht mehr in irgendeinem Sinn als fiktives Äquivalent zu einer üblichen Handlung angesehen werden kann. Die Ausweitung betrifft dabei wohl in erster Linie bestimmte Entwicklungen moderner und postmoderner Dramatik, die sich stark vom griechischen Ursprung des Wortes 'dráma' (= Handlung) entfernen und insofern nur mehr einen Grenzfall von Dramatik darstellen.
Für gewöhnlich also für Großteile der Dramengeschichte gilt jedoch, daß die Handlung des Dramas tatsächlich als Handlung aufzufassen ist oder zumindest Handlungselemente umfaßt. Dies betrifft natürlich insbesondere die Tradition, die auf der Einheit der Handlung besteht, aber auch die meisten anderen Dramen-Bauformen und -Ausprägungen.
Dramatische Handlung besteht also im Kern darin, daß fiktive Dramenfiguren etwas tun, egal weshalb sie dies tun (etwa aus freiem Willen, aus Überzeugung, aus Zwang, aus einem inneren Antrieb, als Reaktion usw.). Dieses Tun ist dabei häufig mit dem Tun anderer Figuren verbunden (etwa als Reaktion darauf), und es ist in einen allgemeinen Geschehens- und Bedingungszusammenhang eingebettet, der mehr als alles Handeln der beteiligten Figuren umfassen kann, etwa sachliche Gegebenheiten, Vorgaben der (physischen) Natur, göttliche Eingriffe, Zwänge des Schicksals, Wunder und dergleichen mehr.
Kennzeichnend für dramatisches Handeln ist dabei wiederum die für alle Dramatik typische 'Verdopplung' des Dargestellten, das als fiktives und dargestelltes Geschehen einerseits und als (von Schauspielern vor einer Kulisse) gespieltes Darstellen andererseits aufzufassen ist. Insofern ist die (fiktive) Handlung eines Dramas immer auch ein (vom Autor) 'konstruiertes', 'gebautes' Ganzes, das gegebenenfalls mit identifizierbaren Bauformen und -elementen arbeitet.
Kennzeichnend für dramatisches Handeln, insbesondere das Handeln in literarischen Dramen, ist natürlich auch, daß das Sprechen (oder Singen, Schreien usw.) der Figuren als Handlung anzusehen ist, also auch in seiner Performativität von Bedeutung ist: Eine Figur zum Beispiel weigert sich etwas zu tun, indem sie sagt, daß sie sich weigert und sie entschließt sich zu einer Handlung, indem sie es sagt (und sei es im Monolog nur zu sich selbst).