dramatische Bauform: die dramatische Handlung besteht in der Aufklärung eines abgeschlossenen, aber noch wirksamen Geschehenszusammenhangs

Das analytische Drama bzw. die Präsentation und Organisation seiner Handlung stellt im Prinzip eine Abweichung von einer Normalform dar, die mitunter als 'Zieldrama' oder 'Entfaltungsdrama' bezeichnet wird. Damit sind Dramen gemeint, in denen das Geschehen 'entfaltet' wird in dem Sinne, daß es, beginnend im Anschluß an eine Vorgeschichte, auf ein Ende oder 'Ziel' zuläuft, wobei dieses Geschehen auch auf der Bühne zu sehen ist.

Im analytischen Drama hingegen stehen zwei Geschehens- oder Handlungszusammenhänge einander gegenüber und sind doch stark aufeinander bezogen. Der eine – wenn man so will: die Vorgeschichte – wird nicht unmittelbar als Bühnengeschehen präsentiert, sondern im Verlauf des zweiten Geschehens 'enthüllt', aufgedeckt oder ermittelt, und zwar meist gegenläufig zu seinem zeitlichen Verlauf. Es liegt – bezogen auf das Präsens der Bühnenhandlung – in der (fiktiven) Vergangenheit und kommt natürlich nicht zur unmittelbaren theatralen Darstellung.

Das auf der Bühne dargestellte Enthüllungsgeschehen verläuft dagegen in gewöhnlicher (und zumeist schneller) zeitlicher Abfolge und rekonstruiert das Vergangene.

Doch nicht nur die analysierende Aufdeckung der Vergangenheit verbindet die beiden gegenläufigen Handlungsebenen miteinander, sondern auch eine kausale Verknüpfung: Das Vergangene wirkt sich noch auf die Gegenwart aus, insofern es sie – vor allem als Vor-Geschichte einer oder mehrerer Figuren – bedingt. Und so führt die Aufdeckung der Vergangenheit zu einer Veränderung der Gegenwart, was natürlich in der eigentlichen Bühnenhandlung zur Darstellung kommen kann.

Beispiel