Samuel Becketts Schauspiel "En attendant Godot" ("Warten auf Godot") von 1953 ist wohl das bekannteste absurde Theaterstück.

Es besteht aus zwei Geschehenssequenzen (und Akten), die aber nicht als kausale Entwicklung auseinander zu verstehen sind, auch nicht unbedingt im Sinne einer linearen Chronologie aufeinander zu folgen scheinen, in denen aber einzelne Handlungs- oder Sprachsequenzen variierend wiederholt werden – so daß dies im Prinzip ewig fortgesetzt werden könnte. Die Sprache der Figuren führt dabei erkennbar ein poetisches Eigenleben und ist kaum auf die Situation des jeweiligen Sprechers oder seinen Charakter zurückzuführen.

Die wenigen dramatischen Figuren sind dementsprechend unausgeprägt, ja fast identitätslos. Die Hauptfiguren Estragon und Wladimir, die "auf Godot warten", haben auch andere Namen, wechseln schon mal die Ansichten und Sätze untereinander, und sind ansonsten nur schwach charakterisiert. Diesem weitgehend gleichberechtigten Paar steht ein (in beiden Akten deutlich unterschiedenes) Herr-Diener-Paar Pozzo und Lucky gegenüber. Man begegnet sich auf der Landstraße, einem Ort ohne jegliche zeitliche oder räumliche Orientierungsmöglichkeit. Und auch eines greifbaren Ziels sind die Figuren beraubt, wenngleich sie die Form noch wahren: Sie warten auf Godot, wissen aber weder, weshalb noch zu welchem Zweck noch wer dieser Godot eigentlich ist usw.

Das Dramengeschehen – und mit ihm die Situation des Menschen überhaupt – erscheint somit als weitgehend zielloser Zeitvertreib oder sinnloses Spiel, das lächerliche und komische Momente ebenso umfaßt wie Ernst und (scheinbaren?) Tiefsinn.