Klasse der Dramatik: dramatische Präsentation eines historischen Geschehens (derart, daß diese Bezugnahme auf die Realgeschichte von Bedeutung ist)

Vielen Bestimmungen der beiden weitgehend übereinstimmenden und insofern austauschbaren Ausdrücke 'Geschichtsdrama' und 'historisches Drama' zufolge wird ein Drama nicht unbedingt alleine dadurch zum Geschichtsdrama, daß es einen historischen Stoff als (mehr oder minder fiktives, immer aber exemplarisches) Dramengeschehen präsentiert. Dies ist aber natürlich eine notwendige – und mitunter auch als hinreichend erachtete – Bedingung.

Als historisches Drama im engeren Sinne gilt es erst dann, wenn diese Bezugnahme auf einen historischen Stoff für die Bedeutung (und Deutung) des Dramas von Belang ist, wenn also insbesondere das Verhältnis von historischen Fakten (oder dem, was man zeitgenössisch darüber weiß oder glaubt) und dramatischer Gestaltung signifikant ist.

So kann nämlich eine bestimmte Geschichtsauffassung in dem Drama zum Ausdruck kommen und dem zeitgenössischen Publikum vermittelt werden, die mit den übrigen Gehalten des Dramas in Verbindung zu sehen ist: durch positive Darstellung der Vergangenheit etwa eine Verklärung dieser als heroische Vorgeschichte; durch markierte Ähnlichkeiten der dargestellten Geschichte mit der Gegenwart die Hypothese einer Wiederholung oder Kontinuität der Verhältnisse; durch Betonung nationaler oder ethnischer Momente an der Geschichte ein nationales Geschichtsbild; oder eben verschiedene andere Geschichtsauffassungen wie Schicksalsglaube, Fortschrittsglaube usw. Insofern können historische Dramen immer auch die Geschichtsauffassungen ihrer Zeit widerspiegeln.

Natürlich gibt es aber zahlreiche andere Gründe dafür, einen historischen Stoff für ein Drama zu wählen: seine Bekanntheit, seine Vorgeformtheit und seine Exotik können darunter sein.

Beispiel