Friedrich Schiller hat mit dem "Wilhelm Tell" von 1804 nicht nur ein Geschichtsdrama geschrieben, in dem das freiheitliche Selbstverständnis der Schweizer gebündelt, neu codiert (und belebt) worden ist. Sein historisches Drama, das eigenen Aussagen zufolge eher "poetische Wahrheit" als "historische Richtigkeit" anstrebt, steht auch nicht zuletzt in seiner Abweichung von der tatsächlichen Gründungsgeschichte der Eidgenossenschaft bzw. zum Wissen um diese von 1800 in einem engen Beziehungsverhältnis zur Gegenwart Schillers und ihren vielfältigen politischen und moralphilosophischen Problemen.
Denn es präsentiert im Unterschied zur französischen Revolution und der sich anschließenden Herrschaft Napoleons einen nicht nur der Ausgangsmotivation nach, sondern auch den verwendeten Mitteln und den Resultaten nach gerechtfertigten Freiheitskampf einer unterdrückten Bevölkerung. Insofern stellt das dramatische Geschehen um Wilhelm Tell mehr noch als das reale exemplarisch eine gerechtfertigte Revolution und einen gelungenen Freiheitskampf dar.