dramatische Gattung: Tragödie mit einem Personal und einer Handlung, die geprägt sind von öffentlichen Machtträgern und ihren Leidenschaften und die auf Indifferenz gegenüber irdischem Leid oder die Vermittlung christlicher Moralvorstellungen abzielen
Die heroische Tragödie des 17. Jahrhunderts stellt insbesondere neben dem Märtyrerdrama eine der zentralen Gattungen des barocken Trauerspiels dar. Sie ist eng verwandt mit und bezogen auf ältere und gleichzeitige Tragödienformen, etwa die Tragödie der französischen Klassik oder die Tragödien Senecas.
Sie ist stark von der imitatio veterum, also eine Anlehnung an antike Mustertexte und deren Tradition, geprägt. Dies betrifft insbesondere die Orientierung an den drei dramatischen Einheiten von Ort, Zeit und Handlung bzw. den Vorgaben der geschlossenen Form, die durch Zwischenspiele und allegorische Szenen aufgelockerte Fünfaktigkeit, eine am genus grande ausgerichtete Sprache (in heroischen Alexandrinern) und die Konzentration auf Personen von hohem Stand und entsprechender Machtfülle. Insofern ist sie beeinflußt von den politischen und staatsrechtlichen Auffassungen des beginnenden Absolutismus.
Die dramatische Handlung ist im Unterschied zu der des barocken Märtyrerdramas geprägt von den Gefühlen und Leidenschaften der Figuren, die ihnen mit rhetorischem Pathos Ausdruck verleihen, durch sie in Mord und Totschlag verwickelt werden und so das Publikum an diesen Leidenschaften teilhaben lassen. Durch diese und konfligierende Ziele und Ansprüche kommt es dann auch zuverlässig zur (tragischen) Katastrophe, zum Untergang (meist Tod) des Helden bzw. der Heldin.
Somit zielt die heroische Tragödie ganz ihrem Zeitalter, dem Barock mit seiner christlichen Heilserwartung und Tugendlehre entsprechend vornehmlich darauf ab, die übermäßigen Leidenschaften der Herrscherfiguren darzustellen, um so dem Publikum Indifferenz bezüglich diesseitigem Leid (dem die Erlösung im Jenseits gegenübersteht) und/oder christliche Moralvorstellungen und Tugenden (Gottesfurcht und -liebe, Mäßigung usw.) zu vermitteln.
Die heroische Tragödie steht ganz in der Tradition literarisch-rhetorischer Kunstfertigkeit und ist dementsprechend ein beliebtes Schuldrama des 17. Jahrhunderts, das eher in repräsentativen Schulaufführungen als an den Fürstenhöfen gegeben wurde.