Die heroische Tragödie "Sophonisbe" von Daniel Caspar von Lohenstein, der der sogenannten Schlesischen Dichterschule angehörte, die sich vor allem durch die Produktion barocker Trauerspiele auszeichnete, wurde 1669 am Breslauer Magdalenäum uraufgeführt. Ebenso bezeichnend ist, daß es Corneilles gleichnamige Tragödie zum Vorbild nimmt und sich einem antiken Stoff widmet:

Sophonisbe ist die Königin eines nordafrikanischen Reiches, das von Feinden bedroht wird. Um ihr Reich zu retten, ist Sophonisbe bereit alles zu tun: ihre Kinder zu opfern und den Anführer der Feinde, Massinissa, der sie leidenschaftlich liebt, zu heiraten. Dieser jedoch wird von den verbündeten Römern unter Druck gesetzt, die bekannte Römerhasserin nicht durch Heirat zu retten. Der Heldin bleibt nur der Selbstmord, und auch Massinissa kann nur schwer davon abgehalten werden.

Diese Dramenhandlung ist angereichert um Szenen mit allegorischen Figuren, die einen Bezug zum aktuellen Kaiser (dem Herrscher des 'Heiligen Römischen Reiches' also) herstellen und insofern die zeitgenössischen Machtverhältnisse untermauern.

Das Scheitern der Heldin an ihrer Gier verweist den zeitgenössischen Zuschauer schon auf die Verderblichkeit übermäßiger Leidenschaften. Zudem steht den von Machterhalt und Liebe getriebenen afrikanischen Figuren mit dem römischen Befehlshaber Scipio eine leidenschaftslose Figur gegenüber, die positiv für das (normative) Herrscherideal des Römischen Reiches einsteht.